Ständig Krach vor der Haustür? Das können Sie der Stadt online melden

Um Lärmquellen in der Stadt Bremen zu finden, hofft der Senat auf Tipps der Bürger. Dieses Vorgehen für ein leiseres Bremen hat sich bereits bewährt. Ein paar Beispiele.

Die Autobahn A1 in Bremen, mit Verkehrszeichen, die die Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern anzeigen.
Mehr als 120 km/h sind auf Bremens Autobahnen nicht erlaubt. Eine Regel, die auf Bremens ersten Lärmaktionsplan zurückgeht. Bild: Imago | Eckhard Stengel

Lärm kann krank machen. Daher gelte es, "schädliche Auswirkungen und Belästigungen durch Umgebungslärm" zu verhindern: So steht es in einer Richtlinie der Europäischen Union aus dem Jahr 2002. In Verbund mit dem Bundes-Immissionsschutzgesetz verpflichtet die EU-Richtlinie alle Städte und Gemeinden zu einer fortlaufenden Lärmminderungsplanung.

Aus diesem Grund erstellt auch Bremen seit 2007 alle fünf Jahre Lärmkarten. Sie zeigen, wo es besonders laut ist. Auf der Basis dieser Karten hat die Stadtgemeinde Bremen in den Jahren 2008 und 2014 Lärmaktionspläne beschlossen, nicht zuletzt mithilfe reger Bürgerbeteiligung. Unter anderem diese Lärmschutzmaßnahmen sind dabei herausgekommen:

1 Tempolimit auf Bremens Autobahnen

Höchstens 120 Kilometer pro Stunde: So schnell darf man auf Bremens Autobahnen seit April 2008 maximal fahren. Das gilt auch für die A27 in Bremerhaven. Bremen hat das Tempolimit auf den Autobahnen aufgrund seines ersten Lärmaktionsplans beschlossen, der seitdem regelmäßig fortgeschrieben wird.

770 Personen, die wegen der Autobahnen mit besonders viel Lärm in ihren Wohnhäusern fertig werden mussten, sind durch das Tempolimit erheblich entlastet worden. Mit "besonders viel Lärm" sind hier Lärmpegel von über 70 Dezibel rund um die Uhr und von über 60 Dezibel nachts gemeint, gemessen an der eigenen Hauswand.

Diese Grenzwerte sind inzwischen etwas niedriger, werden in unregelmäßigen Abständen nach unten korrigiert. So steht es in einem aktuellen Bericht zum Lärmaktionsplan des Verkehrsressorts. Die Zahl der Menschen, die durch eine lärmreduzierende Maßnahme entlastet werden, ist neben dem Lärmpegel das wichtigste Kriterium für die Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen.

2 Tempo 30 im Stadtverkehr

Tempo 30 Schild
Tempo 30 hat vielerorts in Bremen dazu beigetragen, den Lärm durch vorbeifahrende Kraftfahrzeuge erheblich zu senken. Bild: Radio Bremen

Dem Bericht des Verkehrsressorts zur Lärmaktionsplanung zufolge ist es der Stadt Bremen geglückt, die Zahl derer, die von Straßenlärm besonders schwer betroffen sind, bis zum Jahr 2017 innerhalb von zehn Jahren von 29.000 auf 22.900 zu senken. Das entspricht einem Rückgang von gut 21 Prozent.

Als besonders effektives Mittel zur Lärmreduktion habe sich vierlerorts ein Senken der zulässigen Höchstgeschwindigkeit bewährt, meist von Tempo 50 auf 30. So seien auf diese Weise an der Bismarckstraße 180 Anwohnerinnen und Anwohner entlastet worden, an der Kattenturmer Heerstraße 140 Personen.

3 Lärmmindernde Fahrbahnbeläge

An einer Autobahnbaustelle wird sogenannter Flüsterasphalt aufgetragen.
"Flüsterasphalt" wird insbesondere auf Autobahnen immer öfter eingesetzt. Bild: DPA | Matthias Graben / Imagebroker

Ein anderes in Bremen erfolgreiches Mittel, um den Verkehrslärm zu senken, besteht darin, Pflastersteine gegen Asphalt auszutauschen. Asphalt anstelle von Straßenpflaster hat nach dem Bericht des Verkehrsressorts etwa dazu beigetragen, dass 124 Bremerinnen und Bremer an der Falkenstraße heute mit weniger Lärm leben müssen als vor dem Aktionsplan. Am Wall sind durch den Austausch von Pflaster gegen Asphalt 54 Menschen entlastet worden. Dort wirkt sich an einigen Abschnitten zudem die Beschränkung auf Tempo 30 lärmmindernd aus.

Wie Jens Tittmann, Sprecher des Verkehrsressorts mitteilt, ist bei den letzten Sanierungen der A1 auf Bremer Landesgebiet zudem sogenannter "Flüsterasphalt" eingesetzt worden: ein offenporiger Asphalt, über den Autos im Vergleich zu anderen Belägen besonders leise rollen.

4 Schallschutzwände

Lärmschutzwaand an einer Straße mit Wohngebäuden.
Eine Lärmschutzwand vor einer Straße mit Wohnhäusern: nicht schön, aber effektiv. Bild: DPA | Torsten Krueger/Chromorange

Insbesondere an Schnellstraßen und Bahnstrecken gelten Schallschutzwände als geeignetes Mittel, um den Lärmpegel für die Anwohner zu senken. Die Kosten hierfür sind jedoch immens. Dem Bericht zur Lärmaktionsplanung zufolge arbeitet das Bremer Verkehrsressort mithilfe einer Bedarfsanalyse zum Bahnlärm mit einer Prioritätenliste, die derzeit 14 offene Einzelmaßnahmen umfasst.

Ganz oben auf der Liste steht eine Lärmschutzwand an der Grönlandstraße in Burg-Grambke. 258 Personen, die derzeit unter massivem Verkehrslärm leiden, würden unmittelbar vom Bau dieser Wand profitieren. Die Kosten lägen bei knapp 340.000 Euro.

Dennoch handelt es sich bei dieser Schallschutzwand längst nicht um die einzige, die Bremen in den kommenden Jahren errichten wird. Zumindest schließt der Bericht zur Lärmaktionsplanung mit den Worten: "Da in der Entlastung von Bahnlärm ein hohes Potenzial liegt, wie die Bedarfsanalyse Bahnlärm gezeigt hat, soll hier ein Schwerpunkt für die kommenden Haushaltsjahre gelegt werden."

Warum eine Bürgerinitiative keine Bahnwerkstatt in Bremen haben will

Video vom 11. Oktober 2020
Ein Güterzug mit vielen Containern. Im Vordergrund mehrere Gleise.
Bild: Radio Bremen

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  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 16. Oktober 2020, 23:30 Uhr