Hausarztpraxen im Land Bremen vom Ansturm Impfwilliger überlastet

Mehrere Personen in einer Arztpraxis mit Mundschutz.
Jeder zehnte Arzttermin dreht sich in Bremen aktuell ums Impfen. Bild: Radio Bremen

Rund jeder zehnte Patiententermin ist derzeit mit einer Booster-Impfung verknüpft. Die Verwirrung um Biontech-Vorräte erschwere die Lage, sagt Bremens Hausärztechef Mühlenfeld.

Die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), künftig die Lieferungen von Biontech-Impfstoff an Hausarztpraxen zu drosseln, betrifft auch Bremer Ärztinnen und Ärzte. Die kurzfristigen Auswirkungen der Lieferbeschränkungen unterscheiden sich jedoch von Praxis zu Praxis. "Es gibt Ärzte, die haben sich einen kleinen Vorrat an Biontech angelegt, die haben weniger Probleme", sagt Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Bremer Hausärzteverbands. Die meisten hätten hingegen nur das bestellt, was sie kurzfristig brauchten.

Bislang war das kein Problem. Die Praxen konnten Biontech-Impfstoff nach Bedarf ordern. Am vergangenen Freitag hatte Gesundheitsminister Spahn jedoch überraschend verkündet, dass künftig nur noch fünf Ampullen, also 30 Impfdosen, Biontech pro Woche und Arzt geliefert würden. Stattdessen sollten die Praxen von nun an vermehrt Moderna impfen. Am Montag hat das Bundesgesundheitsministerium – nach Kritik an dieser Entscheidung – die Zahl der Ampullen dann wieder auf acht erhöht.

Dies habe Patienten verunsichert und Ärztinnen wie Ärzten die Planungen erschwert, sagt Mühlenfeld. "Das Problem ist, wenn ich den Menschen drei Wochen vorher sage, sie werden mit Biontech geimpft und dann gibt es beim Termin nur Moderna, dann habe ich die Diskussion, wenn der Patient vor mir steht." Ihnen zu erklären, dass Moderna eine sehr gute Alternative sei, vielleicht sogar eine bessere, sei bislang allerdings stets möglich gewesen.

Jeder zehnte Termin ist ein Impftermin

Neben der Diskussion um die Verfügbarkeit von Impfstoffen belastet die Hausärzte derzeit die hohe Nachfrage nach Drittimpfungen.

Die Praxen laufen über.

Hans-Michael Mühlenfeld
Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Bremer Hausärzteverbands

Rund jeder zehnte Patient sei inzwischen zum "Boostern" da. "Das Problem ist, dass dadurch Patienten, die andere Anliegen haben, nicht mehr so geschmeidig durchkommen, weil die Telefone wegen der vielen Impfanfragen fast immer besetzt sind", sagt Mühlenfeld. Einige Praxen seien deshalb dazu übergegangen, die Nachfrage über den Anrufbeantworter abzufangen oder Patienten zu bitten, nur noch E-Mails mit ihren Anfragen zu schreiben. "Wir kriegen rund fünfzig E-Mails am Tag, 80 Prozent davon sind Impfanfragen", sagt der Hausarzt, der darüber hinaus eine Notleitung für besonders dringende Fälle anbietet. "Aber selbst da haben wir dann immer wieder Patienten dran, die sagen: Ich bin zwar kein Notfall, aber…", sagt Mühlenfeld.

Die Pläne zur Eröffnung neuer Impfstellen und des neuen Impfzentrums in Bremen könnten darüber hinaus dazu führen, dass Termine parallel vergeben würden. "Durch dieses Chaos kommt es dazu, dass sich die Leute im Impfzentrum anmelden, bei ihrer Frauenärztin anmelden und bei mir", sagt Mühlenfeld. "Und wenn es dann ganz blöd kommt, lassen sie den vereinbarten Impftermin einfach verfallen."

Booster-Impfung ohne warten? Bremer Arzt warnt vor überfüllten Praxen

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. November 2021, 19:30 Uhr