"Sind wir sicher?": Was Kinder in Bremen jetzt ihre Lehrer fragen

Rückenansicht zweier Schüler mit jeweils blauen und gelben Hoodies

So gehen Lehrer in Bremer Schulen mit Fragen zum Thema Krieg um

Bild: DPA | Frank Rumpenhorst

Seit Beginn des Angriffskriegs Russlands in der Ukraine ist das Thema "Krieg" in der Schule allgegenwärtig. Eine neue Herausforderung für Lehrerinnen und Lehrer.

Kriege sind Teil des Geschichtsunterrichts. Aber seit diesem Jahr spielt Krieg auch in anderen Fächern eine zentrale Rolle. Und es geht nicht mehr um damals, sondern um das Hier und Jetzt. Seit in der Ukraine der Krieg herrscht, haben sich Lehrpläne verschoben. Nicht nur in den Klassen, in die Geflüchtete gekommen sind, sondern in allen Jahrgangsstufen. Zum Beispiel in der Grundschule Am Weidedamm in Bremen-Findorff. Die Neun- bis Elfjährigen der vierten Klasse sollen an diesem Tag über Frieden und Krieg diskutieren.

"Krieg bedeutet für mich Gefahr", sagt eine Schülerin. "Wenn ich manchmal bei der Tagesschau mitgucke, finde ich die Bilder sehr erschreckend", ein Schüler. "Manchmal habe ich Angst, dass der Krieg auch noch zu uns geht, weil ich würde nicht mein zu Hause verlieren wollen."

Neue Fragen

Seit drei Monaten geht es hier im Unterricht nicht mehr nur um den Unterschied zwischen Adjektiven und Adverben, Mathe und Leichtathletik, sondern regelmäßig um den Krieg in der Ukraine. Bei den Kindern kamen Unsicherheit und Ängste auf, wie Klassenlehrerin Klarissa Simon erzählt. "Das, was uns Erwachsenen fehlt, oder was uns beschäftigt, das beschäftigt die Kinder umso mehr."

Klarissa Simon musste von einem Tag auf den anderen Fragen zu Themen beantworten, die eigentlich nicht auf dem Lehrplan stehen. "Eine Frage, die wir Frau Simon gestellt haben, war auch: 'Könnte der Krieg nach Deutschland kommen?'", so ein Schüler. "Ob wir noch lange sicher sind?", erinnert sich ein anderer. Auch welche Länder in der Nato und andere Fragen rund um das Thema stellen auch junge und ältere Kinder.

Kann man "Krieg" erklären?

Der Umgang mit dem Krieg in der Ukraine ist für alle Schulen eine große pädagogische Aufgabe, sagt Christina Hegner. Sie ist Geschichtslehrerin am Schulzentrum Geschwister Scholl in Bremerhaven und gleichzeitig Sprecherin aller Geschichtslehrkräfte in Bremen. "Krieg zu erklären, ist glaube ich unmöglich", sagt Hegner.

Gemeinsam mit zwei Kolleginnen hat sie eine digitale Pinnwand für die Schulen erarbeitet. Eine Sammlung von Nachrichten, Hintergrundinformationen und auch psychologischer Tipps, die über die Seite der Bremer Bildungsbehörde angeklickt und heruntergeladen werden können. "Um sich selber ein Bild zu machen, und um zu zeigen, dass wir als Lehrer*innen nicht diejenigen sind, die allwissend sind, sondern tatsächlich auch in diesem Moment überrascht worden sind, dass sich die Geschichte verändert hat", erklärt die Lehrerin.

Spenden sammeln

Zurück in der Grundschule Am Weidedamm. Dort haben die Mädchen und Jungen das Friedenszeichen auf Papier gemalt. Die Schülerinnen und Schüler erklären, dass sie damit zum Findorff-Markt gegangen sind: "Man will ja auch irgendwas machen, und dann haben wir einfach Spenden gesammelt", erzählen sie. "Für die Ukraine, damit die Klamotten, Essen und Medizin alles kaufen können, damit die nicht verhungern, oder nix zum Anziehen haben." Zurzeit ist der Krieg in Bremens Schulen allgegenwärtig.

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Bild: Radio Bremen

Autor

  • Julian Beyer Moderator

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 24. Mai 2022, 14:10 Uhr