ISS-Astronaut Matthias Maurer stellt sich Fragen von Bremer Schülern

Der Astronaut Matthias Maurer steht in einem blauen Overall in einer großen Halle
ISS-Astronaut Matthias Maurer beantwortet die Fragen der Schülerinnen und Schüler. Bild: ESA | Sabine Grothues

Rund 70 Bremer Schüler nehmen heute Kontakt mit der Internationalen Raumstation (ISS) auf. Dafür haben sie eine eigene Funkanlage entwickelt und gebaut.

Seit eineinhalb Jahren läuft das Bremer Projekt, das heute in einem direkten Funkgespräch mit dem Astronauten Matthias Maurer auf der Internationalen Raumstation sein Finale findet – wenn alles glatt läuft.

Das größte Problem könnte werden, das Signal mit dem 100-Watt-Funkgerät über die selbst gebaute Richtantenne direkt an die ISS zu schicken. Denn die Internationale Raumstation ist ziemlich schnell. Für die Schüler heißt das: Die Antenne muss permanent nachjustiert werden. Über ein Computerprogramm wird die Position berechnet und an die selbst gebaute Steuerung der Antenne weitergeleitet, so Jan Benje, Projektleiter am Technischen Bildungszentrum Mitte (TBZ Mitte).

Mit fachübergreifendem Lernen zum ISS-Gespräch

Funkantenne auf dem Dach des Technischen Bildungszentrum in Bremen
Noch wird vom Dach der Schule nur in die graue Wolkendecke gefunkt, später dann zur ISS. Bild: Jan Benje

Das TBZ Mitte ist die erste Bremer Schule, die mit einem Astronauten auf der ISS sprechen kann. Zwar hat der deutsche Amateur-Radio-Club so etwas schon mal in Osterholz-Scharmbeck gemacht, doch das besondere diesmal: Die meisten benötigten Gerätschaften wurden nicht einfach gekauft oder geliehen, sondern selbst gebaut.

"Unser Ziel war es, schulweit möglichst viele in das Projekt einzubeziehen", so Benje. Die Werkschüler haben die Halterung für die Antenne gebaut, die Antenne selbst wurde von den Informationselektronikern entwickelt, die Fragen von den Luft- und Raumfahrttechnikern erarbeitet. Da nicht alle vor Ort sein können, wird die Veranstaltung gestreamt, das machen wiederum die Veranstaltungstechniker.

Nur 13 Schulen europaweit funken mit der ISS

Doch Astronaut Matthias Maurer funkt von der ISS nicht mit jedem: Das TBZ Mitte ist eine von 13 Schulen europaweit, deren Antrag genehmigt wurde. Das ging laut Benje über die Amateur Radio Station der ISS (ARISS), die wiederum mit der ESA und NASA in Kontakt steht. Doch am Ende stand der kurze Funk-Termin am 16. Dezember um 11:45 Uhr.

Dass wir jetzt mit der ISS funken können, das ist nur einmal im Leben.

Jan Benje, Technisches Bildungszentrum Mitte

Für die zwölf spannenden Minuten steht sogar ein Back-up-System parat: "Wenn wir wollten oder es sein muss, können wir mit Batterie bei Kerzenschein funken", erklärt Benje etwas nervös, ob denn wirklich alles glattgeht.

Schüler funken zur ISS
Seit den Sommerferien arbeiten die Schüler an der Antenne für den Funk-Kontakt zur ISS. Bild: Jan Benje

Doch was wollen die Schüler fragen? Das steht tatsächlich schon im Vorfeld fest. Die Fragesteller haben eine lange Liste mit Fragen an ISS-Astronaut Matthias Maurer geschrieben. Dabei sind die Fragen eher alltäglich und nicht hoch technisch. Insgesamt sind zehn Fragen geplant. Wir verraten aber nur drei:

  • Woran merkt man zuerst, dass man im Weltraum angekommen ist?
  • Schmeckt das Essen in der Schwerelosigkeit anders?
  • Und: Wie wird auf der ISS der Müll entsorgt?

Eigentlich ist klar, warum die Fragen eher menschlich sind als hoch technisch. Denn: Alles, was technisch ist, kann man irgendwo nachlesen, so Benje.

ISS-Funkstation wird zur Schulfunkstation

Am Ende bleibt dem TBZ Mitte eine Schulfunkstation der Marke Eigenbau, die weiter in den Unterricht integriert werden kann – allerdings ohne Funkkontakt zur ISS. Mit dem Funkgerät könnten später Informationen von Wetter-Satelliten empfangen werden. Ein weiteres Ziel der Schule ist es, in Kooperation mit dem deutschen Amateur-Radio-Club eigene Funkkurse anzubieten.

Bremer Ingenieure entwickeln drahtloses Netzwerk für Raumstation ISS

Bild: Radio Bremen

Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Dezember 2021, 19:30 Uhr