Bovenschulte will keine Gedenkstätte auf dem Bremer "Russenfriedhof"

Bild: Radio Bremen
  • Hunderte Zwangsarbeiter im 2. Weltkrieg begraben
  • Streit über Zukunft des Geländes
  • Bürgermeister Bovenschulte hat offenbar entschieden

Nach Informationen von buten un binnen will Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) keine Gedenkstätte auf dem Gelände des sogenannten "Russenfriedhofs" in Oslebshausen. Damit wendet sich der SPD-Politiker gegen entsprechende Forderungen von Anwohnern, Friedensaktivisten und der Partei Die Linke. Diese sehen in dem Areal eine völkerrechtlich geschützte Kriegsgräberstätte und wollen dort eine Gedenkstätte errichten.

Anzeichen für ein Massengrab gibt es bisher nicht

Seit Sommer finden auf dem Areal in der Nähe der Industriehäfen Ausgrabungen statt. Archäologen suchen nach unentdeckten Skeletten ehemaliger Zwangsarbeiter. Gefunden wurde bisher aber nichts, nur Knochenreste, Erkennungsmarken und Utensilien von wohl bereits umgebetteten Toten. Anzeichen für unentdeckte Tote oder gar für ein unentdecktes Massengrab gibt es bisher nicht. Und im Rathaus geht man offenbar davon aus, dass sich das nicht mehr ändern wird. Wohl auch deshalb sieht der Bürgermeister keinen Grund für eine eigene Gedenkstätte.

Die geborgenen Knochenreste und auch alle weiteren sterblichen Überreste, die noch gefunden werden, sollen nach buten-un-binnen-Informationen auf dem Osterholzer Friedhof beigesetzt werden, wo bereits Tausende andere Kriegsopfer liegen. Das soll im Rahmen einer großen Gedenkfeier geschehen.

Neues Denkmal könnte auf Osterholzer Friedhof entstehen

Dafür wird dort wohl auch ein neues Denkmal errichtet, das nicht nur den Zwangsarbeitern gewidmet ist, sondern auch den Opfern des Vernichtungskrieges im Osten. Die Botschafter Russlands und der Ukraine sind offenbar eng in die Planungen eingebunden.

Das Gelände des sogenannten "Russenfriedhofs" in Oslebshausen wird Bremen nach Abschluss der Grabungen möglicherweise verkaufen. Zum Beispiel an den Zughersteller Alstom, der dort eine Bahnwerkstatt errichten könnte. Ob das geschieht, ist nach buten-un-binnen-Informationen aber alles andere als sicher.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. November 2021, 19:30 Uhr