Corona-Alarm auf Bremens Handys: Wann schlägt die Warn-App an?

Corona-Warn-App zeigt erhöhtes Risiko an (Symbolbild)

Was eine Rotmeldung in Bremen in der aktuellen Pandemie-Phase bedeutet

Bild: DPA | Thomas Trutschel

Angesichts hoher Inzidenzen im Land Bremen meldet die Corona-Warn-App bei vielen Usern Begegnungen mit erhöhtem Risiko. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Ist die Corona-App grün, springt sie bei vielen Bremerinnen und Bremern gerade in Zeiten von Omikron schnell wieder auf rot. Doch warum ist das so, wenn man sich selbst nicht an einen nahen Corona-Kontakt erinnern kann? Für den Virologen Andreas Dotzauer von der Uni Bremen ist klar: "Die App zeigt an, was der Fall ist: Es bestehen durchaus Corona-Kontakte."

Und diese Kontakte registriert die eingeschaltete App vom Robert-Koch-Institut (RKI). Zu Pandemie-Beginn ermittelte die App einen Durchschnittswert aller Kontakte pro Tag. Inzwischen wurde die Funktionsweise angepasst. Jetzt werden 30-minütige Zeitfenster betrachtet. Jedes dieser Zeitfenster muss bestimmte Kriterien erfüllen, um in der App berücksichtigt zu werden. Laut RKI sind das

  • die Zeit, also die Kontaktdauer,
  • die Signalstärke, also der Abstand der Handys und
  • die nachgemeldeten Symptome des später positiv Getesteten.

1 Wie das Risiko einer Rotmeldung berechnet wird

Überschreitet die Kontaktdauer die festgelegte 5-Minuten-Grenze und wird anhand der Signaldämpfung ein geringer Abstand erfasst, errechnet die App das Risiko. Je geringer also der Abstand war, desto mehr fließt der Kontakt in die persönliche Risikobetrachtung ein. Das individuelle Risiko pro halbe Stunde wird anschließend summiert.

Letztlich bedeutet das: Mehrere kurze Begegnungen mit niedrigem Risiko können in Summe zu einem roten Status führen.

Robin Houben, Informationsstelle des Robert-Koch-Institut

Wichtig: Die App unterscheidet bei ihrer Risikoermittlung nicht zwischen Begegnungen in Innenräumen oder draußen. Auch nicht, ob eine Maske getragen wurde oder nicht. Der Impfstatus wird ebenfalls nicht berücksichtigt, obwohl er in der App vermerkt werden kann.

2 So geht Bremen mit Rotmeldungen um

Eine Rotmeldung ist nicht mit einer Corona-Infektion gleichzusetzen. Sie sagt lediglich, dass es in den letzten 14 Tagen zu einem Kontakt mit einer später positiv getesteten Person gekommen ist.

Omikron hat eine Inkubationsdauer von null bis acht Tagen, da sollte man sich nach einer Rotmeldung schon sechsmal testen.

Andreas Dotzauer, Virologe an der Uni Bremen

Ist das der Fall, gilt in Bremen: Testen und Kontakte reduzieren. Durch die begrenzten Testkapazitäten wird in Bremen kein kostenloser PCR-Test gemacht, sondern ein Schnelltest – das sieht auch das Bundesgesundheitsministerium so vor.

Fällt dieser positiv aus, wird ein PCR-Test zur Bestätigung gemacht. Der Bremer Virologe Dotzauer empfiehlt nach der Rotmeldung noch weitere Selbst- oder Schnelltests. Doch auch wenn man diese in die App einpflegt, bleibt die Warnmeldung 14 Tage nach der Risikobegegnung rot.

3 App noch nicht auf Omikron angepasst

Seit Pandemiebeginn weiß man, dass die Infektionswahrscheinlichkeit deutlich steigt, wenn ein Kontakt länger als eine Viertel Stunde dauert und der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten wird.

"Das ist bei Omikron aber überholt", so Dotzauer. Das sollte zu einer Anpassung der Parameter für Risikobegegnungen führen. Doch da sind technische Grenzen erreicht: Würde man die relevante Kontaktdauer reduzieren, könnte es vermehrt zu falschen roten Warnungen kommen. Momentan evaluiert das App-Projektteam, wie zukünftige Anpassungen aussehen könnten.

Laut Virologe Dotzauer müsse man nun erstmal den Mindestabstand vergrößern und Kontaktzeiten verringern: Gerade bei Omikron ist ein Abstand von zwei bis 2,5 Metern sinnvoller. Treffen sollten so kurz wie möglich gehalten werden und auf jeden Fall unter 10 Minuten bleiben.

4 Wann man die Risikoermittlung abschalten sollte

Es gibt die Empfehlung, die Corona-App in Testzentren abzuschalten. Denn dort halten sich sehr wahrscheinlich Menschen mit später positiven Testergebnissen auf: "Da steigt natürlich die Gefahr, dass dadurch eine Risikobegegnung auf der App angezeigt wird", so Lukas Fuhrmann zu buten un binnen.

Der Sprecher des Gesundheitsressorts sieht dort aber keinen Risiko-Kontakt, wenn alle Anwesenden FFP2-Masken tragen, Abstand halten oder es Wände zwischen den Testkabinen gibt. Beim Verlassen des Testzentrums sollte die App dann wieder eingeschaltet werden.

5 Corona-Warn-App informiert das Gesundheitsamt nicht

Während das Bremer Gesundheitsamt Apps wie Luca nutzen konnte, um Kontaktpersonen zu ermitteln, werden personenbezogene Daten in Corona-Warn-App nicht erfasst.

Sie unterstützt das Gesundheitsamt aber trotzdem, da sie ihre Nutzerinnen und Nutzer direkt über Risikobegegnungen und mögliche Infektionen informiert. Damit ist sie "eine wichtige Unterstützung in der Bewältigung der Pandemie", so Sprecher Lukas Fuhrmann.

Zeeb über Bremens Pandemie-Bewältigung: "Wir machen vieles richtig"

Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 23. Dezember 2021, 7:40 Uhr