Kommentar

Planlos durch die Pandemie: Denn sie wissen nicht, was sie tun

Bild: DPA | Bernd von Jutrczenka

Bremens Hotspot-Hickhack und der Isolations-Irrsinn sorgen für Kopfschütteln. Das Vertrauen in die Corona-Politik hat Schaden erlitten, meint Redakteur Helge Hommers.

Der Corona-Wahnsinn geht in die nächste Runde. Nachdem in Bremen das Hotspot-Hickhack für reichlich Verwirrung gesorgt hat, kassiert Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im Alleingang die freiwillige Corona-Isolation ein. Ebenjenen Vorschlag also, den er erst kurz zuvor in Eigenregie auf den Weg gebracht hatte – ein Irrsinn, der seinesgleichen sucht.

Man könnte meinen, man wäre in eine Zeitschleife schlechter, weil unangebrachter Aprilscherze geraten. Leider aber handelt es sich um die Realität. Und die erweckt momentan den Eindruck, als wären die Verantwortlichen der Corona-Politik nach zwei Pandemie-Jahren planloser denn je.

Vom Heilsbringer zum zahnlosen Tiger

Von vielen einst als Heilsbringer im Pandemie-Chaos gefeiert, verkümmert Lauterbach immer mehr zum zahnlosen Tiger. Vom Talkshow-Sessel aus zwar laut wie eh und je, hangelt sich der Corona-Kämpfer abseits der Scheinwerfer als Minister von Kompromiss zu Kompromiss. Etwa in der Impfpflicht-Frage, bei der sich die Gruppe der Impfpflichtigen immer weiter verkleinert. Lauterbachs Vorhaben sind groß, deren Umsetzung jedoch klein.

Dass der menschgewordene Twitter-Account seinen Rückzieher in der Isolationsdebatte öffentlichkeitswirksam im Fernsehen verkündet hat, überrascht kaum. Traurig ist es trotzdem. Traurig, weil nun die vor den Kopf gestoßenen Senatoren und Minister der Länder das ausbaden müssen, was ihnen Lauterbach mit seinem Husarenritt eingebrockt hat. Zudem nährt das Kommunikations-Desaster den Zweifel, ob Lauterbach generell das passende Fingerspitzengefühl für sein Amt mitbringt.

Wie schwer es Gesundheitspolitiker in Pandemie-Zeiten haben, davon kann auch Claudia Bernhard (Linke) ein Lied singen. Obwohl sie ahnte, dass ihr Hotspot-Vorschlag wenig Aussicht auf Erfolg hatte, brachte die Gesundheitssenatorin ihn dennoch beim Bremer Senat ein. Gut gemeint, aber zwecklos.

Ihr ehrenwerter Appell verhallte ungehört, obwohl sich Linke und Grüne einig waren, dass die Lage in den Kliniken angespannt sei. Die SPD aber behauptete das Gegenteil. Was die Frage aufwirft: Wer hat denn nun recht? Die Antwort liegt vermutlich in der Mitte. Die Bremerinnnen und Bremer sind trotzdem verwirrt.

Wasser auf die Mühlen der Skeptiker und Besserwisser

Das Vertrauen in die Corona-Politik ist in jedem Fall nachhaltig beschädigt. Mehr noch: Die Isolations-Kehrtwende und das Hotspot-Chaos sind Wasser auf den Mühlen all der Skeptiker, die immer schon etwas "kritischer" und "querer" dachten. Denn dank Lauterbach und Co. bekommen nun all jene, die schon seit Beginn der Pandemie alles besser wussten und jede noch so kluge Entscheidung beanstandeten, reichlich neuen Zunder. Und das Schlimme ist: Ich kann sie sogar irgendwie verstehen.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. April 2022, 19:30 Uhr