Bremer Gesundheitssenatorin spricht sich für Quarantäne-Lockerung aus

Bild: Radio Bremen
  • Corona-Infizierte sollen sich künftig nur noch für fünf Tage freiwillig isolieren
  • Der Vorschlag kommt vom Gesundheitsministerium und RKI
  • Auch der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb befürwortet die Lockerungspläne

Die Quarantäne-Regeln für Corona-Infizierte könnten künftig deutlich gelockert werden. Nach einem Vorschlag des Gesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Instituts sollen sich Infizierte demnach für fünf Tage freiwillig isolieren und sich anschließend selbst freitesten. Aktuell müssen Infizierte entweder für zehn Tage in Isolation oder einen negativen Test nach sieben Tagen vorweisen. Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) erachtet die Pläne für "nachvollziehbar".

Dass die Quarantäne-Regeln aufgelöst werden, halte ich perspektivisch für richtig.

Bremens Gesundheitsministerin Claudia Bernhard (Linke) zu buten un binnen

Hintergrund der vorgeschlagenen Lockerung ist, dass sich wegen der hohen Infektionszahlen derzeit fast 4,3 Millionen Menschen in Quarantäne oder Isolation befinden. Dies führt in Betrieben und auch Krankenhäusern teilweise zu erheblichen Engpässen unter den Mitarbeitern. "Gerade in der kritischen Infrastruktur brauchen wir jedoch das Personal", betonte Bernhard. "Wir sehen das gerade in Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen, in denen wir sowieso immer eng gestrickt sind." Voraussetzung für die möglichen neuen Regelungen sei jedoch, dass weiterhin ausreichend getestet werde.

Auch Zeeb befürwortet neue Quarantäne-Regeln

Epidemiologe Hajo Zeeb im Interview
Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb hält die Lockerungspläne für "grundsätzlich richtig". Bild: Radio Bremen

Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb hält es angesichts der eher milden Omikron-Variante ebenfalls für "grundsätzlich richtig", über neue Quarantäne-Regeln für Infizierte nachzudenken. "Dennoch muss man vorsichtig bleiben", betonte Zeeb. Sollte es zu solchen Lockerungen kommen, müsse man jedoch davon ausgehen, dass es dauern werde, bis die Zahl der Infizierten sinken wird. Und wenngleich durch die Omikron-Variante viele Erkrankte weniger schlimme Verläufe zeigten, dürfe man die chronisch kranken und alten Menschen nicht vergessen. "Für diese Menschen besteht weiterhin ein erhöhtes Risiko", so Zeeb.

Auch bei der Frage der Freiwilligkeit befürwortet der Epidemiologe die Lockerungspläne. Allein schon, weil die Gesundheitsämter angesichts der hohen Zahl von Infizierten ohnehin mit Meldungen nicht mehr nachkommen. "Die Verlagerung in den persönlichen Bereich ist sowieso schon passiert", sagte Zeeb. Umso wichtiger sei es, das Verantwortungsbewusstsein beim Einzelnen hochzuhalten, nach einer Infektion erst mit einem negativen Test die Isolation zu verlassen.

Verkürzung der Quarantäne: "Richtiger Zeitpunkt darüber nachzudenken"

Bild: DPA | Sina Schuldt

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 31. März 2022, 19:30 Uhr