Lockdown-Leid und Krisen-Kreativität: Bremens Pandemie in Bildern

Leere Straßen, Menschen mit Masken, geschlossene Geschäfte und Theater: Diese Fotos zeigen, wie sich Bremen und Bremerhaven zu Corona-Citys entwickelt haben.

Ein Gastronom sitz in seinem leeren Geschäft
Hier zwitschert während des Lockdowns nichts mehr: Frank Vogel betreibt seit zwölf Jahren die Waller Kneipe "Fränkie's Vogelnest". Bild: Nikos Liavas

Schummrig leuchten kleine Lichter über der Bar, Gläser stehen Spalier, bereit für eine feucht-fröhliche letzte Runde. Doch die Hände des Wirts ruhen gefaltet auf dem Tresen. Hier in "Fränkie´s Vogelnest" in Bremen-Walle bleibt der Zapfhahn dicht.

Überall, wo sonst heiter im Land Bremen gezwitschert, gemampft und gefeiert wurde, herrscht nun Stille. Erst Lockdown. Dann Sperrstunde. Jetzt wieder Lockdown. Leere Hocker statt voller Mägen. Nikos Liavas zeigt mit seinen Fotos, wie sich Bremens Gastrolandschaft in den vergangenen Monaten verändert hat und veröffentlicht sie gemeinsam mit der Bremer Gastrogemeinschaft unter #lockdownleid auf Facebook und Instagram.

Der Bremer ist selbst Gastronom und auch in dem Restaurant seiner Eltern ist es wegen Corona gespenstisch ruhig geworden. Durch die Social-Media-Plattform Instagram hat sich der 39-Jährige inspirieren lassen, zu zeigen, wie es gerade hinter den geschlossenen Türen der Bremer Gastro-Szene aussieht. Er zeigt auch Frank Vogel, dessen Hände fast wie zum Gebet auf seinem Tresen im Waller "Vogelnest" verschränkt sind. "Es bleibt nur zu hoffen, dass uns Gastronomen diese unsägliche Pandemie nicht vollends in die Knie zwingt", schreibt der Kneipen-Besitzer zu seinem Porträt.

Seit November besucht Liavas mit seiner Kamera aber nicht nur Kneipen, sondern auch Bars, Bowlingbahnen oder das Weser-Station. Die Gastronomen erzählen dabei, wie sie mit der Ausnahme-Situation umgehen. Viele kämpfen ums wirtschaftliche Überleben, sagt der Hobbyfotograf.

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"Nach Ende des Lockdowns werden die Fotos in einem Bildband veröffentlicht. Die Einnahmen kommen dann einer gemeinsam geplanten Re-Opening-Kampagnen zugute", sagt Liavas.

Ein Mann auf Stelzen posiert im Sonnenlicht in Hemelingen
Statt beim Samba-Karneval tanzen Stelzenkünstler nun vor der Linse von Phil Porter. Bild: Phil Porter

Fotografien sind seit Jahren das Kreativitäts-Ventil für Phil Porter. Doch in den vergangenen Monaten hat dieses für den Bremer Fotografen und Künstler durchaus noch weiter an Bedeutung gewonnen. Wenn Theater, Galerien und Konzertsäle dicht sind, bliebe für Kunstschaffende nur noch dieser Weg, um sichtbar zu sein, sagt Porter.

Ob Schauspieler, Musiker, Stelzenkünstler oder Schausteller: Der Bremer inszenierte in den letzten Monaten oft diejenigen eindrücklich, denen gerade eine Bühne fehlt.

Der Wille und die Energie kreativ zu sein sind weiter ungebrochen.

Phil Porter sitzt am Tisch mit Hut in seinem 20er Jahre Hotel.
Phil Porter, Fotograf und Künstler


Was verbirgt sich hinter der Maske?

Eine blonde Frau hält sich ihr Telefon vors Gesicht. Auf dem Telefon ist ein Teil ihres Mundes zu erkennen, in Wirklichkeit trägt sie eine Maske.
Bild: Rainer Berthin | Rainer Berthin

Heben sich die Mundwinkel zu einem süffisanten Schmunzeln oder zucken die Kiefermuskeln eher beim Zähneknirschen? Die Maske gehört mittlerweile zum Alltag. Doch was sich dahinter verbirgt, ist nicht immer einfach zu deuten. Der Arzt Rainer Berthin demaskiert in seinen Foto-Montagen Maskenträger in Bremerhavener mit Hilfe eines Smartphones und zeigt, wie wichtig die Mimik der unteren Gesichtshälfte für die Kommunikation ist.

Der Bremerhavener fotografiert seit 1972. Seine Bilder sind derzeit in der Kulturwerkstatt Westend zu sehen. Nicht vor Ort, aber zumindest virtuell. Unter dem Titel "Wahrheit, Lüge und Utopie" sind Texte und Fotos verschiedener Künstler entstanden.

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"Trotz Coronakrise und Unklarheiten haben wir unsere Motivation und Hoffnung nicht verloren", sagt Ilker Maga, Fotograf, Autor und Leiter des Fotoateliers und der Schreibwerkstatt Westend in Bremen. Da die Ausstellung derzeit für Publikum geschlossen ist, werden die Exponate auch via Film und Buch dem Publikum zugänglich gemacht.

Autorin

  • Sophie Schwarz Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. September 2020, 19:30 Uhr