Immer mehr Menschen in Bremen und Bremerhaven leben in Armut

Ein Mann sucht in einer Mülltonne nach Plastikflaschen.

Immer mehr Bremer leben in Armut

Bild: Imago | Michael Gstettenbauer
  • Laut Paritätischem Verband leben 28,4 Prozent aller Bremer unter der Armutsgrenze .
  • Unter allen Bundesländern ist die Quote in Bremen am höchsten.
  • CDU übt scharfe Kritik am Bremer Senat.

Die Armutsquote in Deutschland hat nach Berechnungen des Paritätischen Verbandes einen neuen Höchststand erreicht: Im vergangenen Jahr stieg sie leicht um 0,2 Prozent auf 16,1 Prozent, wie aus dem am Donnerstag vorgestellten Armutsbericht des Verbandes hervorgeht. Wie schon im Vorjahr ist unter allen Bundesländern die Quote in Bremen am höchsten. Während in Bayern nur 11,6 Prozent der Menschen in Armut lebten, waren es in den Städten Bremen und Bremerhaven 28,4 Prozent. Im Jahr zuvor hatte die Quote noch bei 24,9 Prozent gelegen, was somit einen Anstieg von 3,5 Prozent bedeutet.

Starke negative Entwicklung für Bremen erkennbar

Die Armutsquote errechnet sich aus der Gegenüberstellung der einkommensarmen Menschen und der Gesamtbevölkerung. Als arm gelten Menschen, denen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung steht.

Zwar seien die Zahlen von 2019 und 2020 aus methodischen Gründen nur bedingt vergleichbar, aber eine starke negative Entwicklung für Bremen sei deutlich, sagte Wolfgang Luz, Vorstand des Paritätischen Bremen. Bremens Quote liege fast acht Prozentpunkte über den hohen Quoten der Bundesländer Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Mit auch nur annähernd gleichen Lebensbedingungen habe das nichts mehr zu tun, sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

Deutschland ist nicht nur sozial, sondern auch regional ein tief gespaltenes Land - und die Gräben werden tiefer.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes

CDU übt scharfe Kritik am Bremer Senat

CDU Landesgeschäftsführer Heiko Strohmann reagiert auf den Tod von Jörg Kastendiek.
Spricht angesichts der Sozialpolitik des Bremer Senats von "blankem Hohn": Heiko Strohmann, Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Bild: Radio Bremen

Aus der Opposition gab es nach der Vorstellung der Ergebnisse scharfe Kritik am Bremer Senat und vor allem an Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne): "Die Sozialsenatorin sagt, unserer Städte würden den Menschen sehr gute Bedingungen bieten, um ein selbstbestimmtes und chancenreiches Leben zu führen. Das klingt für uns Christdemokraten wie der blanke Hohn", teilte Heiko Strohmann, Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion, in einer Pressemitteilung mit.

Armut meine nicht nur Obdachlosigkeit, so Strohmann. Armut entstehe oft viel früher, etwa wenn der Schulabschluss fehle oder die Berufsausbildung schiefgehe. Gerade Menschen mit Migrationshintergrund und Alleinerziehende seien stark von Armut betroffen. "Der Senat versagt kläglich", so Strohmann. "Wir erwarten sofortige Maßnahmen."

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 16. Dezember 2021, 15 Uhr