"Geist des Verbots": Grüne Vegan-Pläne stoßen in Bremen auf Kritik

"Zu viel, zu schnell": Reaktionen auf Vegan-Vorschlag der Grünen

Bild: DPA | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres
  • Bürgermeister Bovenschulte lehnt Grünen-Positionspapier ab.
  • FDP spricht von "Bevormundung".
  • CDU: "Idee im Grundsatz nachvollziehbar".

Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) lehnt die Forderung der Bremer Grünen nach mehr veganem Essen in öffentlichen Kantinen und Mensen sowie bei Großveranstaltung ab. Der Staat dürfe den Menschen nicht vorschreiben, was beim Essen auf dem Tisch komme, so Bovenschulte. Die Grünen-Bürgerschaftsfraktion hatte am Dienstag ein Papier veröffentlicht, in dem sie eine Ernährungswende in Bremen fordern. Grundsätzlich wird darin gefordert, dass in Bremen rund 75 Prozent weniger Tierprodukte – also neben Fleisch auch Milch und Eier – konsumiert werden sollen.

Bovenschulte ist nach eigenen Worten zwar dafür, dass sich die Menschen gesund, ausgewogen und klimabewusst ernähren – diese Entscheidung müsse aber vom jedem einzelnen ausgehen. Ähnlich sieht das auch die Bremer FDP. "Diese Idee atmet den Geist der Bevormundung", sagte Hauke Hilz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, zu buten un binnen. Ernährung sei Privatangelegenheit.

Wir sind der Meinung, dass man aufklären muss. Man muss informieren, was klimarelevant ist. Aber was auf den Teller kommt, entscheidet bitte jeder selbst.

Hauke Hilz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP

Auch der Schaustellerverband und die Bremer Gastro Gemeinschaft halten nichts vom Vorstoß der Grünen. Die hatten unter anderem gefordert, dass bei Großveranstaltungen wie dem Freimarkt oder dem Weihnachtsmarkt künftig pflanzliches Essen das Angebot bestimmt. Mindestens die Hälfte der Essensstände soll rein vegan sein. Außerdem soll es nach dem Willen der Grünen in öffentlichen Kantinen und Mensen in den meisten Fällen gar kein Fleisch mehr geben.

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Zustimmung für die Idee – aber nicht für die Umsetzung

Allerdings schlägt den Grünen nicht nur Ablehnung entgegen. "Der Anteil tierischer Lebensmittel muss mit Blick auf unsere Gesundheit, auf Tierschutz, auf Umwelt und Klima runter", sagte Arno Gottschalk, Sprecher für Klima, Umwelt und Landwirtschaft der SPD-Fraktion. Für politische Vorgaben ist er trotzdem nicht. "Das schaffen wir nur schrittweise. Und wir müssen die Menschen mitnehmen – es muss aus innerer Überzeugung sein", sagte Gottschalk.

Da mit der Brechstange ranzugehen und Quoten zu setzte – ich denke, dass das kein guter Weg ist.

Arno Gottschalk, Sprecher für Klima, Umwelt und Landwirtschaft der SPD-Fraktion

Ernährung sei für ihn nicht nur Privatsache. "Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen, dass es einfacher ist, sich anders zu ernähren", sagte Gottschalk. "Da ist die Politik gefragt."

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Auch der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Martin Michalik, lehnt das Positionspapier nicht grundsätzlich ab. "Die Idee an sich ist im Grundsatz nachvollziehbar. Wir können aber nicht mit Maximalforderungen an den Start gehen und die Menschen damit überrumpeln", sagte er zu buten un binnen. "Wir haben als Staat die Pflicht als gutes Beispiel voranzugehen. Es wäre also tendenziell sinnvoll extrem ungesunde Lebensmittel von der Karte zu nehmen", sagte er. "Aber wir können den Menschen nicht vorschreiben, was sie zuhause essen. Wir können aber sensibilisieren."

Der Geist des Verbots schwirrt umher.

Martin Michalik, umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion

Ähnlich sieht es die Bremer Linke. "Es ist klar, dass wir insgesamt unsere tierischen Lebensmittel reduzieren müssen, wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen", sagte der umweltpolitische Sprecher der Linken-Franktion, Ingo Tebje. Die Pläne der Grünen würden aber zu sehr bei der Moral der Menschen ansetzen. "Das zielt zu sehr auf das individuelle Verhalten ab", sagte er. Seine Partei wolle vor allem systemische Probleme angehen, etwa Agrarsubventionen oder die Zustände in Lebensmittel- und Fleischindustrie.

Vegan als Ziel: So wollen die Bremer Grünen Tierprodukte reduzieren

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 31. August 2022, 19:30 Uhr