Personal, Digitalisierung? Bremer Schul-Beschäftigte wollen Antworten

Eine Lehrerin steht in einem Klassenzimmer.
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Schulbetrieb waren Thema der Video-Schalte. (Symbolbild) Bild: DPA | Bernd Weißbrod

Die Stimmung: betont sachlich. Bremens Bürgermeister und Bildungssenatorin stellten sich den Corona-Fragen von Pädagogen und IT-Verantwortlichen. Konkrete Antworten gab es kaum.

Ob Lehrer, Assistenz, Sekretärin oder Hausmeister – die Corona-Pandemie stellt seit zwei Jahren immer wieder neue Herausforderungen an den Schulbetrieb. Entsprechend groß war die Resonanz am Montagabend als Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und Kinder- und Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) zu einem sogenannten Zielgruppengespräch einluden. 350 Menschen hatten sich zur zweistündigen Videokonferenz angemeldet. Die Stimmung: betont sachlich. Konkrete Antworten gab es kaum. Das waren die wichtigsten Diskussionspunkte.

1 Wann endet die Maskenpflicht in der Schule?

Auch wenn es bei dem digitalen Austausch am Montagabend recht unaufgeregt zu ging, kam ein Thema doch immer wieder auf: das Tragen von Masken in den Schulen. Besonders Grundschülern falle es schwer, die Masken konsequent zu tragen, berichtete eine Lehrerin. Mehrere Pädagogen hakten nach, ob es nicht möglich sei, wenigstens bei einem aktuellen negativen Test oder dem Genesenen-Status auf die Masken verzichten zu können.

Dass Jungen und Mädchen möglichst viel in Präsenz am Unterricht teilnehmen können, habe oberste Priorität, betonte daraufhin Aulepp. "Das Masketragen ist eine Einschränkung, damit nicht so viele Kinder in Quarantäne müssen und zu Hause sind statt in der Schule. Das wollten wir vermeiden", sagte sie. Doch die aktuellen Lockerungsschritte der Corona-Beschränkungen machen Hoffnung. Denn Aulepp machte deutlich, dass gesamtgesellschaftliche Lockerungen den Weg für eine Diskussion für mehr Normalität in der Schule frei machen.

Normalität heißt, ganz normal in die Schule kommen und Unterricht haben und keine Maske tragen und nicht testen. Wenn wir dafür allerdings den Preis zahlen, "Corona-Kontakt-Kinder" müssen wieder in Quarantäne, dann hab ich die Präferenz, dass wir den Kindern weiter die Maske zumuten.

Kinder- und Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD)

Bürgermeister Bovenschulte ergänzte: "Bei sinkenden Inzidenzen werden wir darüber diskutieren müssen, wie es mit der Maskenpflicht in Schulen weitergeht. Ein Mögliches Auslaufen der Maskenpflicht darf allerdings nicht dazuführen, dass mehr Kinder in Quarantäne müssen."

2 Wie geht es weiter mit dem digitalen Unterricht?

Seit Ende 2020 sind alle Bremer Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte mit iPads ausgestattet worden. Damit ist der Digitalisierungprozess allerdings nicht abgeschlossen, wie an diesem Abend deutlich wurde. Es fehle die technische Ausstattung noch bei den Erzieherinnen und Sozialpädagogen. Ein Arbeiten auf Augenhöhe sei so nicht möglich, gab eine Bremerin zu bedenken. "Ursprünglichen hatten wir das Angebot auf Lehrer und Schüler fokussiert, da war es auskömmlich", antwortete der Bremer Bürgermeister. Man müsse diese Arbeitsmittel allerdings zur Verfügungen stellen, wenn das notwendig und gewünscht sei. Schlussendlich sei es eine Prioritätenfrage, ob die Mittel dafür eingesetzt werden, so Bovenschulte weiter.

Doch nicht nur bei der Verteilung der iPads gibt es Nachholbedarf. Es sei sehr frustrierend, wie hoch noch der Bedarf beim technischen Support sei, erklärte ein IT-Verantwortlicher einer Bremer Schule. Es fehle an Personal, daher blieben Tickets zu Anwendungproblemen noch zu lange liegen, so der Teilnehmer.

Bovenschulte räumte Defizite ein. Andererseits habe man für Bremen und Bremerhaven bereits 40 Vollzeit-Stellen geschaffen, "und ich erhalte die Rückmeldung, dass der digitale Unterricht langsam in den Alltag sickert und Bremen hat im Ländervergleich einen großen Schritt in Richtung Digitalunterricht getan", sagte Bovenschulte.

3 Fachkräfte fehlen weiterhin

Deutlich wurde im Gespräch mit den Beschäftigten der Schulen, dass der Mangel an Fachkräften sowohl für Schüler als auch Lehrkräfte und Pädagogen eine enorme Belastung darstellt. Eine Sonderpädagogin schilderte eindringlich ein Beispiel von einem Kind, dem eine Assistenz zusteht, dem aber die Unterstützung fehlt, da es einfach keine entsprechenden Mitarbeiter gibt.

Auch die Frage, wie man Fachkräfte an benachteiligte Schulen locken will, wurde der Bildungssenatorin gestellt. Denn besonders während der Pandemie seien die Anforderungen noch mal größer geworden, den Schulalltag zu managen.

Das bedeutet, wir brauchen langfristig mehr gut ausgebildetes Fachpersonal.

Kinder- und Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD)

Bremen braucht mehr Menschen, die auf Lehramt studieren und Lehramts-Referendare, die dann auch an den Schulen und im kleinsten Bundesland bleiben. So lange diese Menschen fehlen, setze man auf Personal mit anderen Professionen und Kooperationspartner wie Kultur und Sport, sagte Bildungssenatorin Aulepp.

Wie geht es Bremer Schulkindern im zweiten Corona-Winter?

Bild: Radio Bremen

Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. Februar 2022, 19.30 Uhr