Fragen & Antworten

Biontech, Moderna, gekreuzt – und womit? Das müssen Bremer wissen

Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuz impfen Schüler.
Bremen arbeitet aktuell daran, die Impfkapazitäten wieder deutlich zu erweitern (Archivbild). Bild: DPA | Helmut Fricke

Boostern ist für viele in Bremen und Bremerhaven das Gebot der Stunde. Doch welcher Impfstoff ist für wen geeignet? Wie bekommt man wann einen Termin? Die Antworten.

Erst wurde die Verteilung des Biontech-Impfstoffs gedeckelt, dann klagen Hausärzte über zu wenig Impfstoff. Und die Wartelisten der Bremer Impfstellen sind schon lange voll. Doch diese Fragen bleiben: Für wen sind Kreuzimpfungen sinnvoll? Und braucht man dafür weniger Impfstoff? Wir haben bei der Bremer Gesundheitsbehörde und dem Epidemiologen Hajo Zeeb nachgefragt.

Moderna oder Biontech: Was lässt sich wie kombinieren?
Das wichtigste vorweg: Die Booster-Impfung sollte unabhängig vom Impfstoff der ersten und zweiten Impfung mit einem sogenannte mRNA-Impfstoff passieren. So empfiehlt es die Ständige Impfkommission (Stiko). Konkret heißt das: Egal, ob man Impfstoffe von AstraZeneca, Johnson & Johnson, Moderna oder Biontech bekommen hat, beim Auffrischen heißt es nur noch: Moderna oder Biontech.

Moderna oder Biontech? (...) Kreuzen kann sogar eine gute Idee sein.

Hajo Zeeb, Bremer Epidemiologe
"Viele Menschen sind gerade bei den Impfstoffen markentreu", sagt Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie, "aber man kann sich sehr gut nach Biontech mit Moderna impfen lassen und andersrum." Insgesamt scheint es sogar so zu sein, dass heterologe Impfschemen, also das Kreuzen von Impfstoffen verschiedener Technologien, besser wirken, führt Zeeb aus.
Können sich Bremer und Bremerinnen aussuchen, welchen Boosterstoff sie haben wollen?
Jein. Meldet man sich für einen Impftermin an, kann schon im Anmeldeformular eine Präferenz angeben werden. Allerdings werde man vor Ort nochmal beraten, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde. Gerade Menschen über 30 werde der Impfstoff von Moderna empfohlen, so Fuhrmann weiter. Biontech wird gezielt für Kinder, Jugendliche und Schwangere eingesetzt. "Das wird so auch gut angenommen." Aus Bremerhaven heißt es dazu, dass zwar der Biontech-Impfstoff knapp sei, aber Moderna noch nicht. Es werde der Impfstoff verimpft, der für die Menschen angemessen sei.
Welche Impfreaktionen sind bei einer Kreuzimpfung zwischen Moderna und Biontech zu erwarten?
Grundsätzlich kann die Impfreaktion schon ein bisschen stärker sein als bei der Erst- oder Zweitimpfung. Die Erklärung: Man hat ja schon eine Immunität durch die erste Impfung und der Körper kann auf das Boostern stärker reagieren.

Der Körper weiß schon, was bei der Drittimpfung kommt. Deswegen sollte man sich nicht wundern, dass man die Wirkung etwas mehr spürt.

Hajo Zeeb, Bremer Epidemiologe
Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören eine Rötung der Einstichstelle, eine leichte Schwellung des Arms und möglicherweise Fieber, Kopfschmerzen oder grippeähnliche Beschwerden. Diese sollten aber nach zwei bis drei Tagen abklingen.
Fünf, sechs oder sieben Monate: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Auffrischungsimpfung?
Aus immunologischer Sicht ist klar: Die Wirksamkeit der Impfung lässt nicht erst nach sechs Monaten nach, sondern schon früher, so Hajo Zeeb. Dennoch empfehlen das RKI und die Gesundheitsbehörde eine Auffrischung erst nach sechs Monaten.
Es könne aber durchaus individuelle Gründe geben, von diesem Zeitraum abzuweichen, so Zeeb. Dazu zählen Immundefizienz-Erkrankungen. Wer davon betroffen ist, weiß das in der Regel selbst, erklärt Zeeb.
Wo steht das Land Bremen gerade beim Boostern?
Bremen stehen momentan 16.134 Dosen Biontech und 7.590 Dosen Moderna für Erst- und Zweitimpfungen oder 13.800 Drittimpfungen zur Verfügung (Stand 29.11; 8 Uhr). Laut dem Sprecher des Gesundheitsressort könnten pro Woche allein in der Stadt Bremen bis zu 13.000 Impfungen durchgeführt werden. Und: "Wenn das neue Impfzentrum am Brill öffnet, sind wir gut aufgestellt", so Fuhrmann weiter: "Dann sind wir bei einer Maximalauslastung bei 45.000 Impfungen pro Woche, das reicht."
Die Stadt Bremerhaven kann momentan 550 Menschen pro Tag impfen, diese werden auch an sechs Tagen die Woche verimpft. Auch der Magistrat möchte die Impfungen ausbauen. Ziel ist es 1.100 Impfungen am Tag zu durchzuführen. Dazu kommen die Impfungen in den Arztpraxen in Bremen und Bremerhaven.
Warum wird in Bremen nicht schneller geboostert?
Es hapert nicht am Impfstoff, sondern am Personal, so Lukas Fuhrmann zu buten un binnen. Zwar sind die Biontech-Lieferungen gedeckelt, aber Moderna ist weiterhin umfangreich vorhanden. "Da ist die Engstelle – wie auch in den Krankenhäusern – das Personal".

Auch die Seestadt baut ihre Impfkapazitäten momentan weiter aus. So sollen in der Impfpraxis im Hanse Carré weitere sogenannte Impfstraßen aufgebaut werden. Auch die mobilem Impfbusse sind in Bremen und Bremerhaven weiterhin im Einsatz – dort kann es allerdings zu längeren Wartezeiten und Schlagen kommen.
Wann gibt es in Bremen die nächsten freien Impftermine?
Das kann man nicht so genau sagen. Sind die Impfwilligen flexibel, kann es schon in den kommenden Tagen zu freien Terminen kommen, gerade in Bremen Nord kann es schneller gehen. Wer schon einen Impfcode hat, kann mit einem Termin im Dezember rechnen. "Wir haben noch 35.000 Leute auf unserer Registierungsliste für die Auffrischungen ohne Code", sagt Fuhrmann. Das werde momentan abgearbeitet, es werden auch die Kontingente im neuen Impfzentrum mit eingeplant.

Das hält der Bremer Virologe Dotzauer von Booster-Impfungen

Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Marike Deitschun Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. November 2021, 19:30 Uhr