Filmen nur mit Erlaubnis: Nordwestbahn testet Bodycams

Ein Zug der Nordwestbahn steht im Bremer Hauptbahnhof.
Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Filmen nur mit Zustimmung, Infokarten verteilen: Der Aufwand für die Zugbegleiter ist enorm. Warum stattet sie die Nordwestbahn trotzdem mit Bodycams aus?

Die Nordwestbahn stattet 35 Zugbegleiter in den Regio S-Bahnen mit Kameras aus. Während der Testphase, die bis Jahresende dauern soll, will die Eisenbahngesellschaft herausfinden, ob die Kameras dabei helfen können, brenzlige Situationen zu entschärfen. Doch warum entscheidet sich die Eisenbahngesellschaft zu diesem Schritt? Hier die Hintergründe.

Wie viele eskalierte Streits gab es in der letzten Zeit in Zügen der Nordwestbahn?
Laut einer Sprecherin hat es im vergangenen Jahr in den Zügen der Regio S-Bahn rund um Bremen 47 gemeldete Vorfälle gegeben. In 36 davon seien Zugbegleiter oder andere Fahrgäste beleidigt worden, in elf Fällen seien die Opfer sogar körperlich angegriffen worden. Die Nordwestbahn geht aber davon aus, dass nicht alle Vorfälle gemeldet werden. Für die vorangegangenen Jahre existieren keine Zahlen zu Angriffen in den Zügen der Nordwestbahn.
47 gemeldete Vorfälle innerhalb eines Jahres klingt nicht nach einer besonders hohen Zahl. Warum also der Aufwand?
Auch die Sprecherin der Nordwestbahn sagt, dass die Zahl der gemeldeten Fälle mit im Schnitt etwa einem pro Woche – "zum Glück" – nicht besonders hoch sei. Jeder Fall sei aber einer zu viel und man wolle schauen, ob man die Zahl der Übergriffe mit den Bodycams senken könne. Zunächst werden ab jetzt 35 Zugbegleiter und Zugbegleiterinnen von insgesamt 98 in den Regio S-Bahnen mit Kameras ausgestattet.
Wie sieht das geplante Vorgehen in einer brenzligen Situation konkret aus?
Der Zugbegleiter oder die Zugbegleiterin weist die Person darauf hin, dass das Geschehen aufgenommen wird, wenn er oder sie sich nicht beruhigt. Erst wenn die Person dem zustimmt, wird die Aufnahme gestartet, sagt die Sprecherin der Nordwestbahn. Sollte die Person nicht zustimmen, die Situation aber weiter eskalieren, wird die Aufnahme auch gestartet. Dann muss aber nach der Anzeige ein Gericht entscheiden, ob das Filmmaterial verwendet werden darf.
Laufen die Kameras die ganze Zeit?
Nein. Laut Nordwestbahn sollen die Zugbegleiter die Bodycams während der Testphase zwischen 19 Uhr und Betriebsschluss anschalten können. Die Kameras laufen dann in einer Art Standby-Modus, speichern die Aufnahmen aber erst auf Knopfdruck. Wenn die Person, die übergriffig geworden ist, der Aufnahme zugestimmt hat, beginnt die Speicherung rückwirkend. Laut Nordwestbahn wurde das Vorgehen im Vorhinein intensiv hinsichtlich des Datenschutzes geprüft und abgesichert. So habe man auch extra eine kleine Infokarte entworfen, die an die gefilmten Personen verteilte werden sollen. Auf den Kärtchen stehen Informationen zum Datenschutz und zu den persönlichen Rechten.
Was passiert nach der Testphase?
Nach der Testphase für das Projekt, die bis Ende 2022 läuft, will die Nordwesbahn auswerten, ob es sich lohnt, die Zugbegleiter mit Bodycams auszustatten. Die Frage hierbei wird sein, ob sich der bürokratische Aufwand lohnt und ob die Zahl der Übergriffe gesenkt werden konnte.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 21. April 2022, 13 Uhr