Warum Bremer für Bier, Brot und Grünkohl jetzt mehr zahlen müssen

Video vom 25. Oktober 2021
Collage zeigt einen Humpen Bier, ein Brot und verschiedene Kohlsorten
Bild: Imago, DPA | Ralph Peters, MIS, Reinhard, H., Montage Radio Bremen
Bild: Imago, DPA | Ralph Peters, MIS, Reinhard, H., Montage Radio Bremen

Die Inflation steigt: Brot, Brötchen, Bier und auch Grünkohl werden teurer. Wir erklären, auf welche Folgen sich Verbraucher in Bremen nun einstellen müssen.

Wie gravierend sind die Folgen der Inflation für den Bierpreis in Bremen? Bei der Frage wollen sich die Brauer von AB Inbev, die an der Weser Haake Beck und Beck’s produzieren, bedeckt halten. Klar ist aber: Der Druck ist angekommen. Die stark gestiegenen Energie- und Gaspreise seien aktuell eine große Belastung, sagte ein Inbev-Sprecher.

Andere Brauereien sind da schon weiter: Krombacher, Veltins und Radeberger haben schon angekündigt, dass sie die Bierpreise erhöhen werden.

Neben massiven Umsatz- und Ertragsverlusten in den 18 Monaten der Pandemie fallen nun in allen Unternehmen weitere ganz massive Kostensteigerungen für Energie, Logistik, Leergut sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe an.

Sprecherin der Radeberger-Gruppe

Kasten Bier wohl einen Euro teurer

Kisten mit Beck
An der Weser wird Beck's und Haake Beck gebraut. Mittlerweile gehört die Brauerei zum internationalen Konzern AB Inbev. Bild: DPA | Sina Schuldt

In der Kneipe dürfte das Bier von vielen Brauereien zwischen 30 und 50 Cent teurer werden, schätzt der Branchendienst "GetränkeNews". Demnach werde der Preis für den Kasten Bier im Handel voraussichtlich um einen Euro steigen. Laut Branchenkennern werde der Preis für Bier bei allen Brauereien früher oder später steigen: "Bier wird im Frühjahr 2022 flächendeckend teurer", so die Prognose.

Grünkohl-Preis geht nicht durch die Decke

Auch der Grünkohl wird in der Kohlsaison wohl teurer werden. Damit rechnet Henrik Witte, der Geschäftsführer des Grünkohlverarbeiters Elo-Frost. Die gesamte Lieferkette sei von den Preissteigerungen betroffen: Der Lkw-Transport werde teurer, bedingt durch Energiepreise. "Auf dem Feld haben Landwirte höhere Kosten. Die Beutel aus Kunststoff, Papier, Holz, Pappe und Packstoffe werden teurer", erklärt Witte. Die Materialien, die für die Verpackungen eingesetzt werden, seien durch die Bank 20 bis 25 Prozent teurer geworden. Trotzdem werde der Preis für Grünkohl nicht stärker als die Inflationsrate steigen, sagt Henrik Witte: "Der Grünkohl an sich ist nicht teurer geworden."

Bäckereien müssen Preise anheben

Anders sieht das bei Brot, Brötchen und anderen Backwaren aus. Laut der Prokuristin des Bäckereigroßhandels Bäko Weser-Ems, Karin Nikolai, würden die Preissteigerungen mittlerweile alle Rohstoffe betreffen. Außerdem gebe es große Lieferschwierigkeiten: "Vielfach steht nicht mehr der Preis, sondern die Lieferfähigkeit im Vordergrund. Vorrangige Aufgabe der Bäko ist damit die Versorgungssicherheit der Bäckereien und Konditoreien mit Qualitäts-Rohstoffen zu gewährleisten", sagt Karin Nikolai, die Prokuristin bei Bäko ist. So habe sich der Getreidepreis gegenüber dem Vorjahr im September um 40 Prozent erhöht. Die Preise für Ölsaaten seien um rund 30 Prozent gestiegen.

Unterdurchschnittliche Ernten, sei es durch klimabedingte Einflüsse, aufgrund fehlender Erntehelfer in Folge der Corona-Pandemie, einer steigenden weltweiten Nachfrage nach Rohstoffen, sinkenden weltweiten Beständen, aber auch Währungseffekte und Spekulation, all das befeuert die Rohstoffpreise.

Karin Nikolai, Prokuristin von Bäko Weser-Ems

Die Liste der Rohstoffe, die sich gegenüber dem Vorjahr verteuert haben, ließe sich endlos fortsetzen und ziehe sich durch das gesamte Rohstoffsortiment einer Bäckerei: "Mehl, Saaten, Früchte, Nüsse, Mandeln, Milchprodukte, Butter, Zucker und vieles mehr", sagt die Prokuristin von Bäko, Karin Nikolai.

Die höheren Kosten werden sich, laut Bäko, bis weit in das nächste Jahr auswirken. Der Betrieb geht eher noch davon aus, dass die Preise in einigen Bereichen weiter steigen werden. Bäckereien könnten die höheren Kosten nicht komplett ausgleichen und müssten deswegen auch höhere Preise für Brot, Brötchen und andere Backwaren nehmen.

Hickel: Aufschwung nach Corona sorgt für Inflation

Für Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel ist besonders der Aufschwung in vielen Ländern nach Corona der Grund dafür, dass die Preise im Moment steigen: "Der Energiehunger in einigen Ländern wie China führte zu Preissteigerungen, die die Inflationsrate nach oben getrieben haben." Und die steigenden Energiepreise betreffen nun auch die anderen Branchen. Dazu wirken sich laut Hickel noch andere Faktoren wie unter anderem der CO2-Preis aus. "Hinzugekommen ist das Ende niedriger Mehrwertsteuersätze, die während der Corona-Krise unsinnigerweise gesenkt worden sind."

Die Folge: Auf der einen Seite leiden die Sparerinnen und Sparer unter der Inflation, sagt Hickel. "Bei fast Nullzinsen und einer Inflationsrate von vier Prozent sinkt ihr realer Vermögenswert in diesem Ausmaß." Aber auch ärmere Menschen würden durch die Inflation verlieren, etwa, weil sie sich die Energiekosten nicht mehr leisten könnten.

Eine finanzschwache Rentnerin kann der unterstellten Logik, gegenüber dem CO2-Preis weniger Energie zu nutzen, nicht folgen. Ihr bleibt nur die kalte Wohnung.

Wirtschaftsexperte Rudolf Hickel lächelt.
Rudolf Hickel, Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Bremen

Deshalb fordert der Wirtschaftswissenschaftler staatliche Überbrückungshilfen für Personen, die wenig Geld haben: "Das ist auch die Voraussetzung, mit den Preisen über die CO2-Abgabe die Umwelt zu entlasten. Die 'grüne Inflation' verlangt den sozialen Ausgleich."

Für die kommenden Monate macht der Wirtschaftswissenschaftler aber Mut. Vieles deute darauf hin, dass sich die Inflationsentwicklung wieder normalisieren werde. "Einzelne Preise, vor allem im Energiebereich, werden noch einige Wochen steigen", gegenüber den drei Prozent Inflation in diesem Jahr rechnet Hickel aber für das Jahr 2022 mit einem Rückgang.

Kurz erklärt: Was bedeutet Inflation?

Video vom 25. Oktober 2021
Eine Grafik auf der ein anstieg der Inflationsrate in Form eines aufsteigenden, roten Strichs zu sehen ist.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Niklas Hons Volontär
  • Holger Baars Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Oktober 2021, 19:30 Uhr