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Gesundheitsressort entzieht Bremer Corona-Teststationen die Lizenz

Bremer Corona-Test-Anbieter unter Betrugsverdacht

Bild: Radio Bremen

Die Behörde reagiert damit auf einen Bericht von buten un binnen. Der Anbieter hat negative PCR-Testzertifikate ausgegeben, ohne dass Abstriche untersucht wurden.

Nach der Berichterstattung von buten un binnen hat das Bremer Gesundheitsressort einem Anbieter von Corona-Teststationen die Lizenz entzogen. Es handelt sich dabei um eine Teststation am Loriotplatz und eine weitere in der Böttcherstraße. Zudem hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen.

Der Verantwortliche der Bremer Teststationen hat gegenüber buten un binnen fünf Fälle eingeräumt, Mitarbeitende sprechen von deutlich mehr gefälschten Zertifikaten.

Betroffen ist der Bremer Ableger der Firma Covimedical, der seine Teststation in einem Lieferwagen am Loriotplatz eingerichtet hat und eine weitere in der Böttcherstraße betreibt. Ein Mitarbeiter berichtet buten un binnen von einem konkreten Vorfall am ersten Weihnachtstag. An diesem Tag sei außer dem Bremer Chef am Loriotplatz kein Personal verfügbar gewesen, das den Apparat für PCR-Schnelltests bedienen hätte können. Trotzdem seien 27 Anmeldungen von Kundinnen und Kunden entgegengenommen worden, die genau diesen Test durchführen wollten. Der Vorgesetzte sei der Einzige gewesen, der das Testgerät bedienen konnte und durfte. Der Chef habe die Teststation allerdings am Morgen verlassen, berichtet der Mitarbeiter gegenüber buten un binnen.

Negative Ergebnisse verschickt, obwohl nicht getestet wurde?

Auf die Frage der Mitarbeitenden der Teststation, wie mit den angemeldeten PCR-Schnelltest umzugehen sei, habe der Vorgesetzte gesagt: "Nehmt die Abstriche bei den Leuten. Dann legt ihr die weg und nach einer halben Stunde übermittelt ihr denen ein negatives Testergebnis. Ich mache die Tests dann heute Abend." Außerdem behauptete der Vorgesetzte, dass alle Test-Kunden auch eine Mail erhalten hätten, dass das Testergebnis noch unter Vorbehalt steht – das war eine Lüge.

Die Menschen haben also negative PCR-Testergebnisse bekommen, obwohl die entsprechenden Abstriche gar nicht getestet worden sind. Diese Testzertifikate ermöglichen es zum Beispiel, Flugreisen oder Kreuzfahrten anzutreten. Der Vorgesetzte räumt auf Anfrage von buten un binnen ein, dass am ersten Weihnachtstag tatsächlich fünf negative Testzertifikate an Menschen ausgegeben wurden, deren Abstriche nicht getestet worden sind. Es habe Abspracheprobleme zwischen ihm und seiner Belegschaft gegeben. Er habe am Abend alle Proben noch einmal getestet und keine alarmierenden Ergebnisse festgestellt.

Buten un binnen liegen allerdings Aussagen und Whatsapp-Nachrichten vor, die einen anderen Eindruck vermitteln. Ein Mitarbeiter drückt darin dem Vorgesetzten gegenüber sein Unbehagen über das Vorgehen aus: "… wir können doch keine Tests abschicken, für die wir 135 Euro verlangen und dann machen wir sie nicht mal richtig – wir bringen damit Leute und Familien in Gefahr."

Außerdem schildert der Mitarbeiter, dass an besagtem Tag unter den Test-Kunden auch ein junger Mann gewesen sei, der eindeutige Covid-Symptome aufgewiesen habe. Der Kunde wollte zur Sicherheit einen PCR-Schnelltest machen, nachdem er sich bereits viermal per Selbsttests positiv getestet hatte. "Da haben wir extra noch beim Chef angerufen – auch dem Kunden sollten wir dann einfach ein negatives Testergebnis zuschicken", berichtet der Mitarbeiter. Dieser Mann sei aber wiedergekommen, weil er dem negativen PCR-Schnelltest nicht geglaubt habe. Der Kunde habe am Testwagen gewartet, bis der Chef zum Feierabend zurückkam. Daraufhin habe der Chef den Kunden erst wirklich getestet – Ergebnis: positiv. Der Vorgesetzte habe dem Mann zur Erklärung gesagt, dass der erste Test technisch schiefgelaufen sei.

Unternehmen stellt PCR-Schnelltest in Bremen vorerst ein

Der Vorgesetzte kann sich auf Nachfrage nicht mehr an den konkreten Fall erinnern. Er betont aber, dass es ausschließlich am ersten Weihnachtstag Probleme mit den PCR-Schnelltests gegeben habe. Ein weiterer Mitarbeiter berichtet buten un binnen allerdings, dass es auch an Tagen zuvor die Anweisung seitens des Vorgesetzten gegeben habe, negative Testergebnisse ohne Grundlage auszugeben.

Die Covimedical-Unternehmensspitze im hessischen Dillenburg erfährt nach eigenen Angaben erst durch die buten un binnen-Recherche von den Vorkommnissen in Bremen und hat eine interne Untersuchung gestartet. "Nach der ersten Datenanalyse der durchgeführten Rapid-PCR-Tests in Bremen mussten wir feststellen, dass Unstimmigkeiten auf dem Analysegerät zu finden sind. Wir gehen der Sache weiter intensiv nach und prüfen sie im Detail, um den Sachverhalt komplett aufzuklären. Ein verantwortlicher Mitarbeiter aus der Zentrale ist zudem heute nach Bremen gefahren, um sich ein Bild vor Ort zu machen und mit den dortigen Mitarbeitern zu sprechen", heißt es in einer Stellungnahme am Donnerstag.

Covimedical hat die PCR-Schnelltestung in Bremen bis auf Weiteres eingestellt. Die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Betreiber der Bremer Teststation sei ausgesetzt, bis der Sachverhalt abschließend geklärt ist. 

Medizinisches Labor Bremen schlägt Alarm

Bild: DPA | Julian Stratenschulte

 

Autoren

  • Andreas Neumann Redakteur
  • Sebastian Manz Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. Januar 2022, 19:30 Uhr