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Bericht zeichnet massive Probleme im Bremerhavener Schifffahrtsmuseum

Interner Bericht über das Schifffahrtsmuseum sorgt für Wirbel

Bild: Radio Bremen

Das Deutsche Schifffahrtsmuseum wurde in der Vergangenheit von außen ordentlich kritisiert. Jetzt aber kommen auch schwere Vorwürfe aus den eigenen Reihen.

Am Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven gab es in den vergangenen Monaten ordentlich Kritik. Allen voran geriet es natürlich durch die marode und mittlerweile abgewrackte "Seute Deern" in die Schlagzeilen. Danach gab es unter anderem Streit um den Nachfolgebau des Schiffes sowie die Neuausrichtung des Museums. Außerdem fehlen dem DSM 40 bis 50 Millionen Euro, um die in die Jahre gekommenen beiden Museumsgebäude zu sanieren.

Ein langer flacher Bau ist in buntem Licht angestrahlt.
Der Bangert-Bau leuchtet hier zwar schick, muss aber dringend saniert werden. Bild: DSM | Hauke Dressler

Bisher kam die Kritik von außen. Jetzt aber zeigt auch ein interner Bericht zahlreiche Mängel in der Verwaltung des Museums in Bremerhaven auf. Den Bericht soll die neue kaufmännische Geschäftsführerin Katharina Horn, die im Sommer ihren Job angetreten hat, verfasst und dem Stiftungsrat des DSM in der Stiftungsratssitzung am 26. November präsentiert haben.

buten un binnen liegt dieser Bericht vor. Die Analyse betrifft verschiedene Bereiche von der Buchhaltung über die Personalabteilung bis hin zum Vertrags- und Vergabewesen. Horn will sich dazu nicht äußern. Und auch sonst gibt es kein Statement aus dem Deutschen Schifffahrtsmuseum zu diesem Bericht.

Diese Mängel soll es laut Bericht unter anderem geben:

1 Dokumente sollen fehlen

In dem Bericht ist von "mangelhafter Aktenlage und Dokumentation" die Rede. Es fehle eine zentrale Aktenablage, Verträge seien "teilweise unauffindbar". Außerdem steht in dem Dokument, dass vorhandene Vertragsdokumente "unvollständig" seien oder nur als Entwürfe ohne Unterschrift vorliegen würden. "Rechnungen werden ohne Prüfung der Vertragsgrundlage beglichen" heißt es weiter.

2 Buchführung soll Mängel haben

Als angebliche Mängel im Bereich der Buchführung werden "schlecht strukturierte und definierte Abläufe, fehlende Vertretungsregelungen" und "fehlende Unterschriftenregelung" genannt. Darüber hinaus ist die Rede von "geringer Arbeitsmotivation", zudem seien die Mitarbeiter zum Teil nicht ausreichend qualifiziert.

3 Mitarbeiter sollen interne Daten privat abspeichern

Daten würden laut Bericht "lokal auf Rechnern, auf USB-Sticks oder privaten Festplatten" abgespeichert. Die Folge: "Problem des Datenverlusts bei Weggang von Mitarbeitenden".

4  Aufgabenverteilung in der Personalabteilung soll unklar sein

Im Bereich Personalabteilung benennt der Bericht "unklare Aufgabenzuschnitte der Mitarbeiterinnen" sowie "unklare Abläufe". Außerdem ist die Rede von unvollständigen Personalakten.

5  In der Technikabteilung soll ein Instandhaltungsrückstau bestehen

"Fehlende Dokumentation" und "Instandhaltungsrückstau" sollen laut Bericht die Probleme in der technischen Abteilung sein.

6 Für 2022 wird finanzielles Defizit prognostiziert

Für 2022 prognostiziert der Bericht ein Defizit von 700.000 Euro. Als Kostenpunkte sind unter anderem Mängel an Gebäuden wie "Schimmelbefall Bangert-Bau" sowie "Neueinstellungen" genannt.

Oberbürgermeister: "Es erschreckt mich"

Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) kritisiert auf Nachfrage von buten un binnen, dass womöglich über Jahre ein geschöntes Bild von den internen Verhältnissen des Museums erzeugt worden sei. "Mit dem Bericht, so er denn zutrifft, kommt erstmals ans Licht, wie schlecht das DSM geführt wurde", so Grantz. Ihn verwundere, dass die Jahresabschlüsse des DSM von Wirtschaftsprüfern überprüft worden seien, die nichts beanstandet hätten. Er erwarte in der nächsten Sitzung des Stiftungsrates konkrete Lösungsvorschläge von Direktorin Sunhild Kleingärtner sowie der neuen kaufmännischen Geschäftsführerin Katharina Horn.

Es erschreckt mich, dass nicht nur die Museumsflotte im Alten Hafen in der Obhut des Museums seit Jahren vernachlässigt wurde, sondern dass es womöglich in der Organisation und bei den internen Abläufen erhebliche Defizite gab.

Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz im Interview.
Melf Grantz (SPD), Bremerhavens Oberbürgermeister

Grantz kündigte für Januar ein Treffen mit der Stiftungsratsvorsitzenden und Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (SPD) an. "Jetzt muss mit aller Kraft daran gearbeitet werden, dem Museum, das für Bremerhaven eine überragende Bedeutung hat, eine geordnete Zukunft zu geben", so Grantz. Schilling wollte sich gegenüber buten un binnen nicht äußern. Sie verwies darauf, dass der Bericht vertraulich sei und sie sich deshalb nicht öffentlich äußern werde.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. Dezember 2021, 19:30 Uhr