Fragen & Antworten

Corona-Infektion mit "mildem Verlauf": So harmlos wie es klingt?

Kranke Frau im Bett, im Vordergrund hält sie Medizin und ein Fieberthermometer in der Hand

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Bild: Imago | Panthermedia

Bremer Geimpfte und Genesene verlassen sich oft darauf, dass eine Omikron-Infektion mit kaum spürbaren Symptomen einhergeht. Doch der Begriff "mild" kann irreführend sein.

In der Stadt Bremen sind mittlerweile nahezu alle Corona-Infektionen auf die Omikron-Variante zurückzuführen. Auch in Bremerhaven steigt der Anteil schnell an. In Medienberichten in Deutschland und international heißt es oft, eine Infektion mit Omikron verlaufe meist "mild". Die Bezeichnung kann aber irreführend sein. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Mit welchen Symptomen kündigt sich eine Infektion mit einem Corona-Virus aktuell an? Unterscheiden sich die Virusvarianten?
Laut dem RKI melden Patientinnen und Patienten, die sich mit Omikron infiziert und Symptome haben, am häufigsten Husten, Schnupfen und Halsschmerzen als Beschwerden.

Der Bremer Allgemeinarzt Holger Schelp berichtet aus seiner Praxis, dass seine Patientinnen und Patienten aktuell deutlich weniger an Husten leiden als noch während der Delta-Welle. Sie klagten auch weniger über Schnupfen, sondern eher über Kopf- und Halsschmerzen, so der Hausarzt. Es gebe noch immer Fieber, aber nicht mehr so häufig wie bei Delta, höchstens am Anfang der Erkrankung etwas Schüttelfrost. Dafür fühlten sie sich häufig sehr schlapp.
Was versteht man unter einem "milden Verlauf" bei einer Infektion mit dem Corona-Virus?
Die Bezeichnung wird zurzeit unterschiedlich verwendet. Für das Robert-Koch-Institut (RKI) galt in der ersten Corona-Welle jeder Verlauf als "mild", der nicht im Krankenhaus behandelt werden musste. Aktuell teilt das RKI die Corona-Erkrankungen in diese Kategorien ein: asymptomatisch, leichte/moderate Erkrankung, schwere Erkrankung und kritische Erkrankung. In einem Papier des RKI von Anfang Dezember 2021 heißt es dazu: "Etwa 80 Prozent der Erkrankungen verlaufen mild bis moderat."

Bei den leichten bis moderaten Erkrankungen zählt das RKI eine Vielzahl von möglichen Symptomen auf, zum Beispiel Erkältungssymptome, den Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns, aber durchaus auch eine Lungenentzündung. Erst eine schwere Lungenentzündung, die im Krankenhaus behandelt werden muss, macht einen moderaten Krankheitsverlauf zu einem schweren.

Umgangssprachlich wird "mild" oft für asymptomatische oder leichte Krankheitsverläufe benutzt. Auch ein moderater Verlauf kann von den Betroffenen als große Belastung erlebt werden. Das berichtet auch Holger Schelp aus seiner Praxis.
Wie gut lassen sich milde Infektionen mit Schnelltests nachweisen?
Laut dem Bundesgesundheitsministerium sind die Schnelltests weiterhin zuverlässig und zeigen eine Omikron-Infektion "in den allermeisten Fällen" an. Das Paul-Ehrlich-Institut hat eine Liste von Tests erstellt, die für die Omikron-Variante besonders geeignet sind.

Das RKI empfiehlt, bei Symptomen einer Atemwegserkrankung wie Schnupfen, Halsschmerzen oder Husten unabhängig vom Testergebnis grundsätzlich zuhause zu bleiben und die Hausarzt-Praxis zu kontaktieren. Je nach ärztlicher Einschätzung kann dann auch bei negativem Schnelltest ein PCR-Test gemacht werden. Zurzeit sind die Testzentren in manchen Orten allerdings aus- oder überlastet.
Woher weiß ich, ob ich Delta oder Omikron habe?
Die meisten Leute werden das nicht erfahren. Wenn man einen PCR-Abstrich hatte, steht im Bescheid nur, dass man positiv ist. Wenn die Viruslast besonders hoch ist, wird der Abstrich eventuell auf die Variante untersucht, allerdings nur per Zufallsprinzip. Von den Symptomen allein lässt sich das nicht ausreichend bestimmen.
Ich bin erkrankt und fühle mich mies – wie kann ich mir selbst helfen?
Hausarzt Holger Schelp berichtet aus seiner Praxis: "Wir empfehlen meistens zwei Tabletten Paracetamol gegen die Symptome. Das hilft und geht nicht so auf den Magen wie andere Mittel, die auch das Fieber senken." Nach seiner Erfahrung können sich die meisten Patientinnen und Patienten darauf einstellen, dass die Symptome zwei bis drei Tage anhalten. Das sei im Moment der klassische Verlauf.
Ab wann sollte ich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen – und wie? 
Der Allgemeinmediziner Schelp rät: "Wenn man länger als fünf Tage Fieber hat, sollte man beim Hausarzt Bescheid sagen. Auch wer länger als fünf Tage schwer hustet, sollte sich melden. Dann schauen wir nach, ob eine Lungenentzündung vorliegt."

Auf jeden Fall zuerst in der Hausarzt-Praxis anrufen und das weitere Vorgehen besprechen, nicht direkt hingehen. Manche Praxen bieten spezielle Corona-Sprechstunden an.
Ab wann bin ich ein Fall fürs Krankenhaus?
Pauschal lässt sich das nicht sagen. Wie sich eine Covid-Erkrankung im Verlauf entwickelt, hängt an vielen individuellen Faktoren: Alter, Geschlecht, Konstitution, auch das Gewicht und Vorerkrankungen können eine Rolle spielen.

Als grobe Richtschnur sagt Hausarzt Schelp: "Wenn man dauerhafte Probleme beim Atmen hat. Und wer nicht mehr aufstehen kann, nicht mehr essen und trinken, nicht mehr zur Toilette gehen kann, ist ein Fall fürs Krankenhaus." Das passiere normalerweise allerdings nicht in den ersten beiden Tagen.

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Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Sarah Kumpf Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 20. Januar 2021, 6:20 Uhr