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Bremerhavener AWI bangt wegen Ukraine-Krieg um Forschungsprojekte

Bremerhavener AWI-Chefin: "Signal, dass wir diesen Krieg verdammen"

Bild: Imago | Imagebroker

Viele Projekte mit russischer Beteiligung werden wegen des Krieges in der Ukraine gestoppt. Das hat das Bundesforschungsministerium angeordnet. Für das AWI ist das fatal.

Die Liste der Sanktionen gegen Russland und vor allem gegen Regierungsvertreter wird in diesen Tagen immer länger. Und auch für die Wissenschaft haben nun Bundesforschungsministerium und Auswärtiges Amt angeordnet: Alle Projekte mit russischer Beteiligung müssen auf den Prüfstand, vieles ist ab sofort gestoppt. Diese Maßnahmen setzt auch das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven um.

Was genau bedeutet das für das AWI?
Das heißt, dass ab sofort alle hochrangigen Projekte und Projekte, bei denen Geld oder Geräte nach Russland fließen, gestoppt sind. Auch alle öffentlichen Auftritte mit russischen Vertretern und alle Expeditionen in die Region wurden abgesagt. Kurz gesagt: alles, was nach außen wirkt oder der russischen Regierung nutzen könnte. Nächste Woche etwa sollte eine Expedition in die sibirische Tundra starten und auch die AWI-Direktorin Antje Boetius selbst wollte im Juni nach Nowosibirsk fahren. Das ist alles abgesagt.
Eine Frau im roten Overall lehnt an einem Gerät.
Obwohl die Sanktionen massive Einschnitte für die Forschung bedeuten, unterstützt Antje Boetius das Vorgehen. Bild: Imago | Zuma Wire/Kerstin Rolfes
Was sagt das AWI dazu?
Die Russland-Sanktionen wirken sich besonders stark auf die Arbeit des AWI aus, sagt Boetius, weil es so stark international arbeitet. Dennoch hält sie das Vorgehen für wichtig: "Es geht jetzt darum, kurzfristig wirksame Sanktionen zusammenzubekommen, um damit dem Regime eindeutig klar zu machen: So geht es nicht weiter, wir alle verdammen den Krieg, wir wehren uns gegen die Aggressionen in der Ukraine. Auch die Wissenschaft kann nicht so einfach weitermachen."
Welche konkreten Forschungsprojekte sind von den Sanktionen betroffen?
Die Hauptprobleme ergeben sich bei den Langzeit-Forschungen. Zum Beispiel erforscht das AWI im russischen Teil der Arktis, wie sich der Klimawandel auf den Permafrostboden auswirkt. Dieses für die Klimaforschung enorm wichtige Projekt ist laut Boetius konkret bedroht, weil dort demnächst Geräte ausgetauscht werden müssen. Aber darüber sei das AWI im Austausch mit dem Forschungsministerium in Berlin. Gemeinsam werde geprüft, ob einzelne Projekte doch weitergeführt werden können.

Es wird einige Projekte geben, die weitergehen müssen, wie es zum Beispiel auch in der Luft- und Raumfahrt ist. Es wird aber viele Projekte geben, die wir derzeit aussetzen müssen.

Antje Boetius Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven
Ist die Auswertung der Mosaic-Expedition, der größten Arktis-Expedition aller Zeiten, gefährdet?
Nein, laut Boetius steht das AWI in diesem Projekt weiter in Kontakt mit den Forscherinnen und Forschern in Russland. Sie findet auch, dass der persönliche Kontakt zu den Wissenschaftlern dort nicht komplett abbrechen sollte, denn Forschung sei in der Lage, Brücken zu schaffen. Außerdem sollten die Forscher, die sich gegen den Krieg stellen, auch Solidarität erfahren. Viele seien vom Krieg genauso schockiert.

 

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. März 2022, 19:30 Uhr