So will die Bremer Automobilbranche einen Fachkräftemangel verhindern

Diese Veränderungen kommen auf die Bremer Automobilbranche zu

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Neue Antriebstechniken erfordern andere Qualifikationen von den Mitarbeitern. Firmen und Gewerkschaften suchen jetzt nach Lösungen, um Jobs zu sichern.

Auf die rund 17.000 Beschäftigten der Bremer Automobilbranche kommen große Veränderungen zu. Neue Antriebstechniken wie Wasserstoff- oder Elektromotoren erfordern andere Qualifikationen von den Belegschaften. Unternehmen, Gewerkschaften und Wissenschaft suchen jetzt nach Lösungen, um Jobs zu sichern. Dafür haben sie sich im "Weiterbildungsverbund für die Bremer Fahrzeugindustrie" zusammengetan, der jetzt offiziell seine Arbeit aufgenommen hat.

Thorsten Danker beobachtet Entwicklungen in der Automobilindustrie seit Jahrzehnten sehr genau. Als Manager bei der Firma Schulz Systemtechnik gestaltet er die Veränderungen sogar aktiv mit. Sein Unternehmen mit Zweigstellen in Hemelingen entwickelt moderne Produktionssysteme für Autobauer wie Mercedes in Bremen.

Markt für Fachleute schrumpft

Die Veränderungen in der Automobilbranche seien in vollem Gange, sagt Thorsten Danker. Es sei jetzt wichtig, die Mitarbeitenden entsprechend weiter zu entwickeln. "Es ist nicht mehr so, dass der einfache Elektriker, der Mechaniker oder IT-Mann gefordert ist, sondern ein Mix aus allem", erklärt der Manager.

Schulz Systemtechnik setzt jetzt schon auf innerbetriebliche Weiterbildung. Das geschieht auch aus unternehmerischem Interesse – der Markt für Fachleute schrumpft. Die Geschäftsleitung geht davon aus, dass nicht jeder, der heute in der Automobilindustrie tätig ist, dort auch in Zukunft noch gebraucht wird. "Ich denke nicht, dass man alle Menschen entsprechend qualifizieren kann, aber wichtig ist, dass die Betriebe sehen, dass eine Qualifikation erforderlich ist", sagt Thorsten Danker. Es sei höchste Zeit, Weiterbildungsmaßnahmen auf den neuesten Stand zu bringen.

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Neues Netzwerk soll helfen

Deshalb haben sich Danker und sein Unternehmen auch dem neuen "Weiterbildungsverbund für die Bremer Fahrzeugindustrie" angeschlossen. Gemeinsam mit anderen Firmen, Gewerkschaften und der Universität wollen sie Antworten entwickeln, wie die dringend benötigte Weiterbildung innerhalb der Branche am besten funktionieren kann.

Neben den Unternehmen gilt es auch die Belegschaften von der Notwenigkeit der Maßnahmen zu überzeugen, glaubt Bildungswissenschaftlerin Susanne Peters. "Wie bekommen wir die Beschäftigten dazu, dass sie das Weiterbildungsangebot tatsächlich annehmen? Bei vielen ist die Hemmschwelle relativ hoch", erklärt die Forscherin.

Unterstützung von Bremens Wirtschaftssenatorin

An Lösungen solcher Fragen und an konkreten Weiterbildungsangeboten will der Verbund in den kommenden Monaten arbeiten. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) hofft, dass den Automobil-Belegschaften durch ein effektives Weiterbildungskonzept viel Ungemach erspart bleiben könnte: "Ich möchte nicht, dass man die Menschen, die in den alten Berufsbildern gearbeitet haben, einfach nach Hause schickt, sondern weiterqualifiziert, dass sie auch weiterhin in der Branche arbeiten können", sagt die Senatorin.

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  • Sebastian Manz Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. November 2022, 19:30 Uhr