Spannung um Prozess zum Weiterbau der Küstenautobahn A20

Ein Schild kündigt die Autobahn 20 an.

Spannung um Prozess zum Weiterbau der Küstenautobahn A20

Bild: DPA | Carsten Rehder

Der Weiterbau der Küstenautobahn A20 in Niedersachsen ist umstritten. Nun geht es vor Gericht um den Bau eines ersten Abschnitts.

Nach jahrelangen Verzögerungen verhandelt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig diese Woche über den Weiterbau der sogenannten Küstenautobahn A20 in Niedersachsen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und mehrere Landwirte klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss für den ersten 13 Kilometer langen Bauabschnitt im Nordwesten Niedersachsens von der A28 bei Westerstede (Kreis Ammerland) bis zur A29 bei Jaderberg.

"Wir halten dieses mit 200 Kilometern längste Neubauprojekt Deutschlands einfach für überflüssig. Es gibt hier keine verkehrlichen Probleme, die durch eine A20 gelöst werden könnten", sagte die BUND-Kreisvorsitzende im Ammerland, Susanne Grube. Grube ist auch Sprecherin eines Aktionsbündnisses mehrerer Umweltschutzverbände, das die Klage gegen die Autobahn ebenfalls unterstützt.

Umweltschützer fürchten um Moore

Die Umweltschützer kritisieren, dass die zu bauende Trasse wertvolle Landschaften in den Flussniederungen der Elbe und der Oste zerschneiden und zudem große Moorflächen und Wälder zerstören werde. Gerade die Moore seien aber wichtige, natürliche Kohlenstoffsenken, um klimaschädliches CO2 zu binden.

Dieses Potenzial betonieren wir mit der Autobahn zu.

Susanne Grube, BUND-Kreisvorsitzende im Ammerland

Außerdem halten die Gegner das Bauvorhaben für zu teuer und unwirtschaftlich. Der BUND fordert daher, das Infrastrukturprojekt zu stoppen und angesichts von Klima- und Biodiversitätszielen auf den Prüfstand zu stellen.

Die A20 soll einmal die Niederlande, Norddeutschland und Polen verbinden. Mit allein 121 Kilometern auf niedersächsischer Seite zählt sie zu den wichtigsten Infrastrukturprojekten des Bundeslands. Seit Langem endet die vom polnischen Stettin kommende Autobahn aber östlich von Bad Segeberg in Schleswig-Holstein.

Urteil voraussichtlich nicht am Dienstag zu erwarten

Über den Bau der Autobahn wird immer wieder gestritten. Der Prozess gegen den Planfeststellungsbeschluss der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr vom April 2018 und einen Ergänzungsbeschluss vom Februar 2021 hatte sich immer wieder verzögert.

Für die mündliche Verhandlung hat das Gericht bislang nur eine Sitzung angesetzt. Ein Urteil sei voraussichtlich an diesem Dienstag nicht zu erwarten, sagte eine Gerichtssprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Dies solle im Lauf des Junis folgen.

Handelskammern sprechen sich für den Bau aus

Die Industrie- und Handelskammern (IHK) für Bremen, Oldenburg und Stade dagegen sprachen sich vor dem Prozess gemeinsam erneut für den Autobahnbau aus. Aus ihrer Sicht bildet die Küstenautobahn einen "dringend erforderlichen Lückenschluss" im transeuropäischen Verkehrsnetz, von dem insbesondere die norddeutschen Küstenländer profitieren würden.

"Durch deutlich kürzere Fahrstrecken erfolgt eine bessere Anbindung der Häfen Bremerhaven, Brake, Cuxhaven, Nordenham, Stade und Wilhelmshaven", teilten die Kammern mit. Nach deren Ansicht werden sich auch durch den Aufbau von Terminals für Flüssigerdgas (LNG) in Wilhelmshaven und Stade weitere Unternehmen an der Küste ansiedeln. "Ein entscheidender Standortfaktor ist dabei eine gute Erreichbarkeit über die A20."

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus dem Studio Bremerhaven, 29. Mai 2022, 12:20 Uhr