Praxis hinter Gittern: So arbeitet Bremens Gefängnisarzt

Praxis hinter Gittern – Der Bremer Gefängnisarzt

Bild: Radio Bremen

Wer krank ist, muss zum Doktor. Auch im Knast. Ulrich Pfeiffer ist einer von zwei Haftärzten, die Bremens Insassen betreuen. Ein Blick in die Krankenstation hinter Mauern.

Wer zu Ulrich Peiffer in die Praxis kommt, sitzt im Gefängnis. Seine Patienten sind teils Schwarzfahrer, teils Mörder. Aber die kriminelle Vorgeschichte seiner Kunden spielt für den Arzt keine Rolle. Ulrich Peiffer ist einer von zwei Ärzten im Land Bremen, die sich um die knapp 700 gefangene Frauen und Männer im Gefängnis kümmern. Mit festen Sprechzeiten wie "draußen".

Bis zu seiner Praxis muss der leitende Arzt der Justizvollzugsanstalt Bremen-Oslebshausen einen beschwerlichen Weg auf sich nehmen. Insgesamt 12 Türen müssen auf- und wieder abgeschlossen werden, bevor der Internist seine Behandlungszimmer erreicht. Seine Arztpraxis ist spartanisch eingerichtet: verschlossene Warteräume mit kahlen Wänden, ganz ohne Stühle, dazu Videoüberwachung.

Das Inventar kann schnell zur Waffe werden

Ein leerer vergitterter Raum ist der Behandlungsraum im Gefängnis
Das Behandlungszimmer ist ein leerer, vergitterter Raum. Bild: Radio Bremen

Und das ist nicht ohne Grund so. Übergriffe  passierten gar nicht so selten, erzählt der Arzt. "Es ist leider in letzter Zeit bei vielen unserer Klienten, die ihre Impulskontrolle nicht so beherrschen, zu Zerstörungen gekommen und die kaputten Stühle können auch als Waffen genommen werden." Die Lösung ist schon in Planung: eine festinstallierte Sitzgelegenheit. "Aber die wird erst noch gebaut."

Von grippalen Infekten bis zu typischen Gefängniskrankheiten wie Hepatitis C wird alles in der Praxis behandelt. Die meisten seiner Patienten sind froh, einen Arzt in der Nähe zu haben. Ein Häftling, der wegen seines Hustens beim Doktor vorbeigeschaut hat, bestätigt das.

Der Arzt ist sehr wichtig, weil er sich um die Leute kümmert.

Häftling und Patient

Hier wird Häftlingen auch auf den Zahn gefühlt

Der Gefängnisarzt am Mobiltelefon
Von Magen-Darm bis Rücken: Doktor Pfeiffer ist auf alles vorbereitet. Bild: Radio Bremen

Um möglichst viele Leiden der Patienten behandeln zu können, ist die Arztpraxis hinter Gittern gut ausgestattet. Diagnostisch kann Allgemeinmediziner Pfeiffer auch "hinter Mauern" viele Register ziehen: Ultraschall, Röntgen- und Laboruntersuchungen, EKG, Lungenfunktionsprüfungen – selbst eine kleine Zahnarztpraxis steht ihm zur Verfügung. Der Gefängnisarzt ist ein Allrounder. Pfeiffer arbeitet hier seit November 2012. Für den Knastjob hat er die Chirurgie im Klinikum Bremen-Mitte aufgegeben.

Zum Ärztlichen Dienst in der Justizvollzugsanstalt Bremen (JVA) gehören 15 Personen. Gruppenleiter Torsten Wallrabe packt in der hauseigenen Apotheke manchmal bis zu sechs Stunden am Tag die Medikamente für die Häftlinge. HIV, Herzkreislauf, Diabetes: hier kommt alles vor. "Der Durchschnitt ist überdurchschnittlich krank, da kommt viel zusammen", so Wallrabe.

Auch die Psyche leidet

Im Gefängnis hat es das medizinische Team mit überdurchschnittlich vielen drogenabhängigen Patientinnen und Patienten zu tun, die hier Ersatzdrogen bekommen. Es geben kein Gefängnis, wo es nicht Drogen gibt und illegale Substanzen, so Pfeiffer. "Und wir versuchen, das zumindest in der Spitze zu kappen, dass wir den Opiatabhängigen ein Substitut anbieten."

Vielen Insassen macht die Einsamkeit im Gefängnis zu schaffen. Dafür gibt es einen psychologischen Dienst, der einmal in der Woche kommt. Aus Pfeiffers Sicht reicht das nicht aus. "Ich denke, auch die Menschen hier brauchen gute ärztliche Versorgung."

Pfeiffer tut dafür sein Bestes. Auch um seinen Patienten einen gesunden Start in ein Leben außerhalb der Gefängnismauern zu ermöglichen.

Autorinnen

  • Anna-Lena Borchert Autorin
  • Rena Lossau

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Dezember 2021, 19:30 Uhr