Arbeitnehmerkammer: Bremer berichten von völliger Überlastung

Ein Mitarbeiter der Arbeitnehmerkammer beim Beratungsgespräch

Bremer Arbeitnehmerkammer: Mehr Beratungen zu psychischer Belastung

Bild: Arbeitnehmerkammer Bremen
  • Arbeitnehmerkammer hat 2021 mehr als 100.000 Beratungen durchgeführt
  • Zunehmende psychische Belastung vor allem in Pflege und Logistik
  • Arbeitgeber verweigern teils familiengerechte Arbeitszeiten

Die Arbeitnehmerkammer Bremen hat im vergangenen Jahr in mehr als 100.000 Fällen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beraten. Häufiger als im Vorjahr sei es dabei um Fragen des Arbeitsschutzes und der psychischen Beratung am Arbeitsplatz gegangen, teilte die Arbeitnehmerkammer mit. "Im zweiten Corona-Jahr ging es vor allem ums Homeoffice, um Test- und Impfregelungen oder um Quarantänevorschriften", so die Leiterin der Rechtsberatung Kaarina Hauer. Etliche Menschen hätten trotz der Homeoffice-Empfehlungen im Betrieb arbeiten müssen, andere seien gegen ihren Willen ins Homeoffice gedrängt worden.

Personalmangel macht sich bemerkbar

Die oft unklare Corona-Rechtslage habe viele Menschen verunsichert. Auffällig sei der erneute Anstieg der Beratungen zu psychischen Belastungen um gut 17 Prozent. Im Mittelpunkt standen Hauer zufolge dabei die zunehmende Arbeitsverdichtung und der damit verbundene höhere Arbeitsdruck. Betroffen waren vor allem Ratsuchende aus der Logistik-Branche und aus der Pflege.

Teilweise berichteten die Ratsuchenden von unzumutbaren Arbeitszeiten mit 14-Stunden-Schichten und völliger Überlastung.

Kaarina Hauer
Kaarina Hauer

Gastro, Pflege, Logistik: Wo viele Bremer nicht mehr arbeiten wollen

Bild: Radio Bremen

In der Pflege habe sich der in der Pandemie noch einmal verschärfte Personalmangel bemerkbar gemacht. "Viele halten es unter diesen schwierigen Bedingungen einfach nicht mehr aus", berichtete die Juristin. Immer mehr Beschäftigte aus der Pflege, der Logistik-Branche und der Gastronomie hätten den dringenden Wunsch, in andere Bereiche und Berufe zu wechseln.

Probleme vor allem für Frauen bei Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Probleme gebe es weiter vor allem für Frauen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Laut Hauer mussten viele Frauen beraten werden, weil Arbeitgeber keine familiengerechten Arbeitszeiten einrichten wollten. "Die Arbeitgeber zeigen sich in vielen Fällen nicht flexibel – das bedeutet für viele Frauen häufig den Jobverlust."

Erschreckend sei zudem die Tatsache, dass ein Teil der Arbeitgeber während des Mutterschutzes oder der Elternzeit kündige: "Das ist ein klarer Gesetzesverstoß." Deshalb sei es erstaunlich, dass einige Arbeitgeber es dennoch versuchten.

Mitglieder der Arbeitnehmerkammer sind alle im Bundesland Bremen abhängig Beschäftigten mit Ausnahme der Beamten. Zurzeit sind dies mehr als 400.000 Beschäftigte sowie Minijobberinnen und Minijobber.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 7. Januar 2022, 13 Uhr