Studie: Offenbar kein höheres Corona-Risiko für Bus- und Bahnreisende

  • Menschen in Bus und Bahn sind laut Studie nicht gefährdeter als Auto- und Radfahrer
  • Charité hat 681 Pendler im Rhein-Main-Gebiet untersucht
  • Bremens Mobilitätssenatorin erhofft sich Stärkung des ÖPNV
Video vom 10. Mai 2021
Ein Junge sitzt mit Maske in einem vollen Bus.
Bild: Radio Bremen
Bild: Imago | Sven Simon

Dichtes Gedränge in Bus und Bahn – das kommt auch zu Corona-Zeiten im Bremer Berufsverkehr vor. Die Vermutung, dass Nutzerinnen und Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln deshalb ein höheres Risiko eingehen sich mit Corona anzustecken, will eine Studie der Berliner Charité jetzt widerlegt haben. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass Pendler und Reisende im ÖPNV nicht gefährdeter sind als Auto- oder Radfahrer. Dieses Ergebnis sei eine gute Nachricht für alle Stammkunden des ÖPNV, so Bremens Senatorin für Mobilität Maike Schaefer (Grüne). Sie betont aber, dass die Untersuchung entscheidende Rahmenbedingungen hatte, wie das korrekte Tragen von FFP2-Masken, ausreichende Abstände und Belüftung der Busse und Bahnen. Das Land Bremen hatte die Studie mitfinanziert.

Ergebnisse auf Bremen übertragbar

Für einen Zeitraum von vier Wochen haben die Forscherinnen und Forscher der Charité Research Organisation 681 Pendler im Rhein-Main-Gebiet untersucht. Ziel der Studie war festzustellen, ob bei regelmäßiger Nutzung von Bussen und Bahnen im Vergleich zum Individualverkehr ein erhöhtes Risiko einer Corona-Infektion besteht. Die Studienteilnehmer sind laut einer Mitteilung annähernd gleich auf die beiden Gruppen ÖPNV und Individualverkehr aufgeteilt worden. Zu Beginn und am Ende der Studie wurden sie durch PCR- beziehungsweise Antikörpertests auf eine akute oder überstandene Infektion untersucht. Sie führten zudem ein digitales Tagebuch, in dem sie unter anderem tägliche Kontakte und die Einhaltung von Hygieneregeln im ÖPNV dokumentierten.

"Wir haben keinen Unterschied im Hinblick auf ein mögliches erhöhtes Infektionsrisiko bei der Nutzung des ÖPNV im Vergleich mit dem Individualverkehr festgestellt", so der wissenschaftliche Leiter der Studie Frank Wagner. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die geltenden Corona-Schutzmaßnahmen – FFP2-Maskenpflicht, Abstand und Lüften – ausreichend wirksam sind. Die Ergebnisse sind nach Einschätzung der Charité und des Bremer Verkehrsressorts auf Bremen übertragbar. Das Rhein-Main-Gebiet sei beim Pendelverkehr repräsentativ für ganz Deutschland. Das gelte sowohl für die Kombination aus ländlicher Region und Städten, als auch die Zahl der Pendler und die der Busse und Bahnen.

Millionenverluste bei der BSAG

Bremens Mobilitätssenatorin Schaefer hofft, dass durch diese Untersuchung vielen Fahrgästen die Angst vor dem Pendeln mit Bussen und Bahnen genommen werden kann. Seit Pandemiebeginn sind die Fahrgastzahlen im Land Bremen eingebrochen. Allein im vergangenen Jahr büßte die Bremer Straßenbahn AG gut 25 Millionen Euro an Fahrgeldern ein. Die Studienergebnisse sollen jetzt bei der BSAG genutzt werden, um den Fahrgastrückgang aufzuhalten. Zudem will das Unternehmen noch weitere Hygienemaßnahmen umsetzen um das Vertrauen der Fahrgäste wieder zu bekommen, so ein Sprecher zu buten un binnen. 

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Video vom 4. April 2020
Ein Bild einer rot-weißen Straßenbahn.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Fabian Metzner

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. Mai 2021, 19:30 Uhr