Wie wichtig Bremerhavens Offshoreterminal für die Ampelkoalition wäre

Offshore Windpark in der Nordsee
Windenergie vom Meer braucht Infrastruktur an Land. Bild: DPA | NurPhoto | Nicolas Economou

Für Berlins Ampel-Parteien ist die Windkraft wichtig. Aber wo soll die grüne Energie herkommen? In Bremerhaven scheiterte jüngst der Offshore Terminal.

Das Urteil des Bremer Oberverwaltungsgericht gegen das Offshore Terminal war für Bremen ein Schlag ins Kontor und zuletzt am Mittwoch Thema einer aktuellen Stunde in der Bremer Bürgerschaft. Der Senat will nun das schriftliche Urteil abwarten. Man wolle aber an Bremerhaven als Standort für Windkraft festhalten.

Das Bremer Oberverwaltungsgericht hatte entschieden, dass das Planfeststellungsverfahren für den mindestens 180 Millionen Euro teuren neuen Hafen unwirksam ist. Der Umweltschutzverband BUND hatte gegen das Projekt geklagt. Schon mehr als sechs Jahre dauert der Rechtsstreit. Der Bedarf für einen solchen Hafen ist aus BUND-Sicht nicht mehr gegeben – außerdem liegt der geplante Standort des Offshore-Terminals in einem EU-Vogelschutzgebiet.

Dabei ist Offshore-Windkraft für die Politik wichtiger denn je. Vor allem für die künftige Berliner Ampelkoalition, von der viele nichts weniger als einen großen Wurf bei der Energiewende erwarten. Doch das geht nur mit der richtigen Infrastruktur.

Neue Strukturen für grüne Energie

Offshore Windpark in der Nordsee
Mit solchen Windrädern will Deutschland grünen Strom erzeugen. Bild: DPA | Kurt Desplenter

Laut Deutscher Energie-Agentur (Dena) muss sich die Produktion aus der Offshore-Windkraft bis 2050 verfünffachen, damit Deutschland ausreichend grünen Strom bekommt und klimaneutral wird. Doch das ist kaum zu schaffen: Aktuell gibt es in der Nordsee 1.500 Anlagen. Bis zu 10.000 müssten es demnach also werden, um das volle Potenzial auszuschöpfen.

"Wie soll das gehen ohne Infrastruktur?", fragt Robert Howe, Chef der Hafengesellschaft Bremenports, die für die Weiterentwicklung der Bremischen Häfen zuständig ist. Howe ist überzeugt, dass Deutschland einen solchen neuen Hafen braucht, um Anlagen schnell in die Nordsee bringen zu können.

Nach Jahren der Goldgräberstimmung in einer neuen Industrie kämpft Bremerhaven inzwischen um die verbliebenen wenigen Hundert Arbeitsplätze. In den Boom-Zeiten der Windkraft arbeiteten in der Stadt 4.000 Menschen in der Branche. Dann deckelte die Bundesregierung 2013 die Windenergie,weil sie befürchtete, dass der Strompreis sonst unkontrolliert steigen würde. Eine große Delle für die Industrie war die Folge, von der sie sich längst nicht erholt hat.

Von unserer Seite aus, denke ich, hätten sich die politischen Vertreter noch stärker dafür einsetzen müssen.

Heike Winkler, Geschäftsführerin der Windenergieagentur Bremerhaven-Bremen (Wab)

Appell an die nächste Bundesregierung

Die IG Metall Küste indes hat gemeinsam mit zahlreichen Branchenverbänden an die künftige Bundesregierung appelliert, die Windkraft auch in Verbindung mit geplanter Wasserstoff-Produktion deutlich auszubauen. "Deutschland macht sich so unabhängiger von Energieimporten und nutzt die Chance für mehr Arbeit und Wertschöpfung durch eine eigene Offshore-Wasserstoffproduktion", sagt der Bezirksleiter Daniel Friedrich.

Der Netzbetreiber Tennet, der für Deutschland zuständig ist, hält Verteilerkreuze für besonders wichtig. Die deutsche Offshore-Windkraft reiche nicht aus, "um die deutschen Klimaziele bis 2045 zu erreichen". Indem mehrere Staaten ihre Offshore-Energie vernetzten, könne die Versorgung gesichert werden.

Während in Deutschland über den richtigen Weg bei der Erneuerbaren Energie und über geplante Stromtrassen diskutiert wird, legt Dänemark schon mal vor. Das Land plant für 28 Milliarden Euro eine künstliche Energieinsel in der Nordsee. Zukünftig soll sie bis zu zehn Millionen europäische Haushalte mit Offshore-Windstrom versorgen.

Trotz OTB-Aus will Senat an Windkraft in Bremerhaven festhalten

Bild: DPA | Zoonar | Oliver Foerstner

 

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  • Dirk Bliedtner Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. November 2021, 19:30 Uhr