Fragen & Antworten

Was Bremer und Bremerhavener über Booster-Impfungen wissen müssen

Impfstoff-Ampullen von Moderna (links) und Biontech stehen nebeneinander.
Impfstoff-Ampullen von Moderna (links) und Biontech stehen nebeneinander. Beide sind Studien zufolge gleichermaßen für Booster-Impfungen geeignet. Bild: DPA | Jan Woitas

Impftermine, Kreuzimpfungen und Stiko-Empfehlungen: Zur Drittimpfung gibt es derzeit viele Fragen. Hier beantworten wir die fünf wichtigsten aus Bremer Sicht.

Die Äußerungen des geschäftsführenden Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU) zur Auffrischungsimpfung mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna haben bei vielen Menschen Fragen aufgeworfen. Ist Biontech nun wirklich der "Mercedes" und Moderna der "Rolls Royce" unter den Corona-Impfstoffen? Und ist es ratsam, sich um frühzeitige Booster-Impfungen zu kümmern? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Drittimpfung.

Lassen sich alle Impfstoffe kombinieren?
Moderna oder Biontech? Das ist bei der Auffrischung praktisch egal, belegen Studien. Denn die Kreuzung der Impfstoffe von AstraZeneca oder Johnson & Johnson mit einem der zwei mRNA-Impfstoffe von Moderna oder Biontech wirken demnach beide besonders gut.
Vor einer Impfstelle in Bremen hat sich eine lange Schlange gebildet.
Schlange vor einer Impfstelle in Bremen: Derzeit haben Bremerinnen und Bremer noch die freie Impfstoffwahl. Bild: DPA | Sina Schuldt
"Insgesamt scheint es so zu sein, dass heterologe Impfschemen, also eine Grundimmunisierung mit Impfstoffen verschiedener Technologien, sogar besser wirken", sagt Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie. Grundsätzlich könne zur Auffrischung, unabhängig von der ursprünglichen Impfung, einer der zwei mRNA-Impfstoffe verwendet werden, also Moderna oder Biontech. "Nur für Personen mit Immunschwächen sollte immer der gleiche mRNA-Impfstoff verwendet werden", sagt Zeeb. Dasselbe empfiehlt auch die Ständige Impfkommission (Stiko).

Eine Kreuzimpfung der Impfstoffe von Biontech und Moderna hält auch der Leiter der Forschungsgruppe für Infektionsimmunologie und Impfstoff-Forschung der Charité in Berlin, Leif Erik Sander, für sicher und gut verträglich.
Haben Bremerinnen und Bremer freie Impfstoffwahl?
Schon jetzt wird in Bremen auf Wunsch der Geimpften gekreuzt – auch zwischen Moderna und Biontech.

Wenn nichts dagegenspricht, dann hat man die Wahl.

Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts
Eine Ausnahme sei beispielsweise, dass niemand unter 30 Jahren mit Moderna geimpft werde. An entsprechenden Impfstoffen mangelt es in Bremen derzeit jedenfalls noch nicht. Am Montag lagerte das Land beispielsweise 10.080 Impfdosen von Biontech, 8.085 Impfdosen von Moderna und 8.705 Impfdosen von Johnson & Johnson. Weil für die Auffrischungsimpfung nur 50 statt 100 Mikrogramm des für die Erst- und Zweitimpfung gebrauchten Moderna-Impfstoffs gebraucht werden, erhöht sich die Anzahl der Dosen rechnerisch sogar noch deutlich.

"Wie wir das künftig machen, wenn weniger Biontech geliefert wird, werden wir sehen", sagt Fuhrmann. Schon jetzt würden in den Impfzentren aber in Gesprächen deutlich gemacht, dass der Impfstoff von Moderna eine ebenso gute Schutzwirkung habe wie das Biontech-Präparat. "In manchen Studien ist er ja sogar besser als Biontech", sagt Fuhrmann.
Wann ist Boostern aus medizinischer Sicht sinnvoll?
Mit der Frage, wie lange Antikörper geimpfte und genesene Menschen gegen das Corona-Virus schützen, befassen sich Forscher ebenfalls. So zitierte Biontech-Chef Ugur Sahin jüngst Studien, wonach der Impfschutz ab dem vierten Monat abnehme, der Schutz vor einer schweren Erkrankung jedoch noch bis zum neunten Monat sehr hoch sei.

"Die vorliegenden Studien zeigen klar, dass im Durchschnitt ab dem vierten Monat nach vollständiger Impfung die Impfwirkung abnimmt", sagt auch der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb. Der Schutz vor Infektion nehme deutlich ab. "Es ist aber nicht so, dass die Wirkung dann ganz weg ist", sagt Zeeb. Neuesten Studien aus Schweden zufolge bleibe für Menschen unter 80 die Effektivität des Schutzes gegen schwere Erkrankungen und Tod auch nach sechs Monaten bei rund 80 Prozent.

Zu früh zu boostern mache jedoch keinen Sinn, betont der Bremer Virologe Andreas Dotzauer. "Denn zu früh heißt nicht, dass es auch besser wirkt." So könne ein zu frühes Boostern gewisse Schutzfunktionen des Immunsystems auslösen, die gar nicht gewollt seien. Dotzauer hält daher die aktuelle Empfehlung der Stiko für sinnvoll, eine Booster-Impfung frühestens ein halbes Jahr nach Abschluss der Grundimmunisierung durchzuführen. So handhabt es auch die Bremer Gesundheitsbehörde in den Impfstellen und bei den mobilen Teams.

Vordrängeln bringt da nichts.

Andreas Dotzauer, Virologe an der Universität Bremen

Nach fünf bis sechs Monaten sei ein guter Zeitpunkt, sagt Dotzauer. "Es ist auch okay, wenn man erst nach sieben oder acht Monaten den Booster kriegt."

Das hält der Bremer Virologe Dotzauer von Booster-Impfungen

Video vom 4. November 2021
Virologe Andreas Dotzauer im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen
Wann ist Boostern aus rechtlicher Sicht möglich?
Dreimal ist bei Corona-Impfungen nicht nur Bremer Recht. Das Recht auf Booster-Impfungen gilt den Gesundheitsministerinnen und -ministern von Bund und Ländern zufolge für alle Geimpften nach sechs Monaten. Und wenn es nach dem geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht, gilt das auch ab sofort – ohne die sechsmonatige Frist nach der letzten Impfung.

Das heißt, auch in Bremen können sich alle Impfberechtigten ab 18 Jahren, die wollen und einen Termin bei ihrer Ärztin bekommen, im eigenen Ermessen impfen lassen.
Ein Schild mit der Aufschrift „Impfzentrum“ in mehreren Sprachen hängt über dem Eingang des Impfzentrums in der Messehalle an der Bürgerweide.
Bremen will das große Impzentrum an der Bürgerweide durch ein neues Impfzentrum am Brill ersetzen. Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich
Werden durch neue Impfzentren mehr Termine vergeben?
Derzeit sind in Bremens Impfstellen Termine für Auffrischungsimpfungen bis Ende des Jahres ausgebucht. Nur an den Terminen der Impfmobile gibt es noch die Gelegenheit – allerdings mit möglicherweise langen Wartezeiten.

Bald werden allerdings zwei weitere Impfstellen eröffnet, Bremen Mitte und Bremen Süd. "Es wird dann auch neue Termin-Kontingente geben", sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts. Grund sei erstens die Eröffnung des neuen Impfzentrums in Bremen-Süd im Einkaufspark Duckwitz (EDU). Dort sind bis zu 10.000 Impfungen pro Monat möglich. Außerdem werde die Impfstelle in Bremen-Mitte am Herdentor eröffnet. Dort sind bis zu 14.000 Impfungen pro Monat möglich.

Darüber hinaus bereitet Bremen derzeit die Eröffnung eines großen Impfzentrums im alten Sparkassengebäude am Brill vor. "Dort wird es im Verlauf der kommenden Woche losgehen", sagt Fuhrmann. Spätestens dann dürften sich die Terminengpässe auflösen.

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. November 2021, 19:30 Uhr