Wie ein Dürer gestohlen und nach einer Odyssee zurück nach Bremen fand

Das "Frauenbad" von Albrecht Dürer wurde im Zweiten Weltkrieg gestohlen. Bevor man es bei einem japanischen Anbieter unterm Hotelbett fand, war es Jahrzehnte unterwegs.

Dürer
Christine Demele, Kustodin der Kunsthalle Bremen, mit dem Werk "Frauenbad" von Albrecht Dürer. Bild: Radio Bremen

Als die Zeichnung entstand, war dies ein gewagtes Motiv. Albrecht Dürer zeigt in seinem frühen Werk Frauen bei einem gemeinsamen Bad mit ihren Kindern, zwischen Körben und Wasserkrügen. Nackte weibliche Körper zu zeigen, war um 1500 noch mythologischen Abbildungen vorbehalten, aber Dürer zeichnete eine Alltagssituation, wie Christine Demele, Kustodin der Kunsthalle Bremen, erklärt.

Heute ist die Zeichnung sicher hinter den Türen des Kupferstichkabinetts der Kunsthalle verwahrt. Die Kunsthalle besaß zudem einst viele Bilder des Künstlers Albrecht Dürer. Die meisten davon sind im Zweiten Weltkrieg gestohlen worden. So auch "Frauenbad", das von Dürer 1496 gezeichnet wurde. Bis das Bild wieder zurück in die Kunsthalle gelangte, ging es auf seinem Irrweg beinahe verloren.

Von Aserbaidschan nach New York

Aktionshaus Sotheby´s
Das Auktionshaus Sotheby´s in New York. Hier sollte der Dürer an den Mann gebracht werden. Bild: DPA | Photoshot

Nach dem Krieg tauchte das Bild zunächst vor rund 30 Jahren in Aserbaidschan zusammen mit anderen Zeichnungen wieder auf. Doch noch bevor eine Delegation aus Deutschland das Bild ansehen konnte, wurde es erneut entwendet und in New York dem Auktionshaus Sotheby’s angeboten. Die Kunsthalle wurde informiert, aber der Versuch des amerikanischen Polizeibehörde FBI, den Anbieter festzunehmen, scheiterte. Das Bild war erneut verschwunden.

1997 wurde es dann dem Kunstverein direkt angeboten. Die amerikanischen Behörden stellten das Bild diese Mal erfolgreich sicher. Unter dem Hotelbett des japanischen Anbieters fand man es in einer Mappe zusammen mit anderen Zeichnungen. Der amerikanische Zoll nahm den Fund in Gewahrsam und lagerte das Frauenbad in seinem Hauptsitz im World Trade Center.

Kein einfacher Weg zurück nach Bremen

Bevor das Bild auf seinen Weg nach Bremen geschickt werden konnte, musste die Kunsthalle zunächst nachweisen, dass die Zeichnung wirklich ihnen gehörte. Die Zugehörigkeit lässt sich über einen Stempel auf dem Bild erkennen. Diese werden bei Diebstählen manchmal aber entfernt.

Man sieht auf den Blättern den Stempel des Kunstvereins, sodass die Zugehörigkeit auch immer noch erkennbar ist.

Dr. Christine Demele
Christine Demele, Kustodin Kunsthalle

2001, und nur wenige Wochen vor den Anschlägen am 11. September, verließ das Bild das World Trade Center und ging auf seine Reise zurück nach Bremen. Hunderte anderer Werke sind noch immer verschollen und werden vielleicht nie wieder zu sehen sein. Mit einigen Umwegen hat es das Frauenbad zurück nach Bremen geschafft.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. Januar 2021, 19:30 Uhr