Coronageschichten

Zuckerfest: Zaki feiert mit der Familie per Videokonferenz

Ein Mann mit dunkler Hautfarbe und dunklen Haaren sitzt am Schreibtisch. Auf dem Schreibtisch steht ein Laptop, an dem er arbeitet.
Zaki wurde in Somalia geboren. Seit sieben Jahren lebt er in Bremen.

Zaki, 24 Jahre, aus Bremen:
"Diese Zeit ist echt schwierig für mich. Bei uns Muslime bedeutet das Zuckerfest: Zusammenkommen mit der Familie und gemeinsam feiern. Viele Geflüchtete und Migranten haben hier keine Familie. Zuckerfest, also das gemeinsame Fest des Fastenbrechens nach dem Ramadan, war für uns eine der wenigen Möglichkeiten, mit anderen Gläubigen zusammenzukommen.

Gerade können wir wegen Corona nicht mehr zusammenkommen. Die meisten Menschen in Deutschland feiern gemeinsam Weihnachten – das Zuckerfest war unser gemeinsames Zusammenhalten im Glauben. Wir können gerade nicht mehr gemeinsam beten.

Es ist uns sehr wichtig, dass wir unseren Kindern unsere Traditionen zeigen. Für Leute, die hier leben, ist es sehr wichtig, trotzdem ihre eigene Identität zu leben und diese nicht zu verlieren oder zu vergessen. Wenn meine Kinder oder Kinder von Freunden fragen: 'Baba, was bedeutet das?', dann erzähle ich ganz genau, was wir machen. Ich hoffe, dass Corona nur kurz andauert und danach alles normal weitergeht.

Wenn die Situation mit Corona aber so bleibt, wie sie gerade ist, dann werden wir vieles von unserer Kultur verlieren, weil wir nicht die Möglichkeit haben, gemeinsam zu essen, zu feiern. Das ist schwierig für uns. Das betrifft gerade natürlich alle Menschen, aber die Muslime würden jetzt feiern und ihre Kultur leben. Das trifft uns gerade sehr.

Ramadan war auch schwierig. Die Leute fasten den ganzen Tag, aber das Wichtige ist, dass die Leute am Abend zusammenkommen und miteinander reden. Ramadan bedeutet für uns, dass die Leute wissen, dass viele Menschen hungern und dass man auch etwas spendet Es ist eine Pflicht für uns, Bedürftigen etwas zu geben.

Die 30 Tage Fasten haben wir ausgehalten. Feiern aber können wir jetzt nicht. Wir müssen zu Hause bleiben, halten uns an die Regeln. Aber das tut uns echt weh.

Ich persönlich werde mit meiner Familie eine Videokonferenz machen. Ich werde auch meine Bremer Freunde anrufen und ihnen zum Zuckerfest gratulieren. Dann koche ich, aber das Kochen ist nicht wichtig. Für mich sind die Menschen wichtiger und, dass wir eine glückliche Zeit zusammen haben."

(Interview vom 22. Mai 2020)

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Samstagvormittag, 23. Mai 2020, 12:40 Uhr