Coronageschichten

Kindermund tut Wahrheit kund: "Blöder, blöder Kack-Virus!"

Video vom 30. April 2020
Ein kleiner Junge, der in seinem Zimmer vor einem bemalten Blatt auf dem Boden sitzt.

Wiebke aus Bremen
"Ich arbeite normalerweise als persönliche Assistenz in einer Krippe und bin zur Zeit noch von meiner Arbeit freigestellt, damit ich mich um meine Kinder kümmern kann. Mein Mann ist selbstständig und noch mit ausreichend Arbeit beschäftigt, sodass ich jeden Tag mit den Kindern von morgens bis abends alleine bin. Meine Kinder Emil (5) und Annika (2) wollen immer beschäftigt werden. Emil geht eigentlich in einen Kindergarten und Annika in eine Krippe. Beide vermissen ihre Kita und ihre Freunde sehr. Deshalb versuche ich bestmöglich, einen normalen Ablauf mit den beiden hier zu Hause hinzubekommen. Zwischen vielen kleinen Streitereien wird es immer schöner mit den beiden. Wir basteln, toben und spielen.

Damit uns der ganze Stress nicht auf den Kopf fällt, habe ich uns einen Tagesablaufplan für die Corona-Zeit erstellt. Das klingt vielleicht verrückt, aber er hilft mir, auch mal Zeit für mich zu haben und den Kindern gibt er ein bisschen Struktur im Tag. Sie können ihn selber 'lesen', verstehen die Bilder und können beide erkennen, was gerade dran ist und was als nächstes kommt. Natürlich ist der Plan nicht total fix, er ist eher eine Leitlinie für den Tag.

Wenn die beiden 'Kinder-Spielzeit' haben, versuchen sie mittlerweile auch, Konflikte selber zu lösen. Von Tag zu Tag spielen sie mehr und schöner miteinander. Danach sieht es oftmals chaotisch aus. Wir basteln fast jeden Tag, da es auch für mich sehr wichtig ist. So hab ich etwas zu tun und die Kinder haben Spaß dabei, zuzusehen, wie etwas entsteht. Wir haben zum Beispiel aus alten Konservendosen Windspiele für den Garten oder mit Luftballons und Pappmaschee gebastelt. (...) So haben die Kinder ihren Spaß und abends kann man dann alles wieder aufräumen. Noch chaotischer wurde es, als ich an einem Tag einfach mal den Kinder das Ruder überlassen habe. Es war auf jeden Fall sehr interessant und lustig.

Wenn es die Zeit zulässt, gehe ich meinem Hobby nach und nähe. Im Augenblick natürlich Mundschutze. Auch die Kinder haben Masken bekommen und sind von ihnen mehr oder weniger begeistert. Zumindest können sie damit spielen.

Wir haben uns auch Filme für Kinder über Corona angeschaut und uns Conona-Viren auf die Hände gemalt, um zu sehen, wie lange man Hände waschen muss, bis die Viren wieder weg sind. Sogar 'Partys' haben wir gefeiert. Da kann man als Mutter auch beim Nähen und Bügeln ein wenig mit dem Popo mittanzen.

Zu Ostern haben wir Karten mit Mundschutzen an die Familie verschickt und uns auch immer sehr gefreut, wenn mal Post für die Kinder von Oma und Opa angekommen ist. Denn auch die Großeltern sind immer sehr kreativ und können gerade leider nicht besucht werden.

Bei Sonnenschein sind wir draußen und spielen im Garten. Wir schaukeln, hüpfen auf dem Trampolin, spielen in der Sandkiste oder mit der Matschküche. Auch mit Fahrrad und dem Laufrad drehen wir gerne mal eine Runde.

Die Kinder haben sogar einmal Post von ihrer Kita bekommen und sich riesig gefreut. Annika musste gleich etwas für ihre Kita basteln und ich musste darauf schreiben, was sie der Kita sagen will. Wenn Freunde Geburtstag haben, singen wir für sie und sind traurig, dass wir nicht gemeinsam feiern können. Aber wir schicken uns fleißig kleine Filme per WhatsApp.

Meine Kinder haben viel Spaß. Dennoch sagt meine Tochter deutlich, was sie von Corona hält: 'Blöder, blöder Kack-Virus!'

(E-Mail vom 9. April 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr