Coronageschichten

So erleben vier Menschen mit Beeinträchtigung die Coronazeit

Eine junge Frau mit roten Haaren steht in rotem Pullover vor einer weißen Wand, an der selbstgemalte Bilder hängen
Daniela würde sich gerne wieder öfter mit ihrem Freund treffen. WhatsApp-Nachrichten ersetzen eben keine echte Umarmung. Bild: Michael

Daniela, 28 Jahre, aus Bremen:
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Ich finde es doof, dass ich im Moment nicht viel machen kann. Ich würde gerne meinen Freund besuchen, kann das aber wegen Corona nicht. Wir telefonieren deshalb viel oder schreiben uns Nachrichten über WhatsApp. Wenn ich im Haus bin, dann bin ich viel in meinem Zimmer. Da beschäftige ich mich dann mit meinen Window-Color-Farben und mache Fensterbilder. So etwas mache ich gerade ganz viel und verschenke die dann auch an Mitbewohner. Ich vermisse auch die Arbeit. Da machen wir Konfitüre und Trockenfrüchte."


Ein Mann mit Glatze, buschigen Augenbrauen in blauem Kaputzenpullover sitzt vor einer geöffneten Tür mit rotem Türrahmen
Am meisten stören Volker die eintönigen Tage mit immer den gleichen Abläufen. Bild: Michael

Volker, 55 Jahre, aus Bremen:
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Ich bin Volker und lebe im Wohnangebot für Menschen mit Unterstützungsbedarf in Gröpelingen. Während Corona ähneln sich die Tage sehr: Frühstück, Mittagessen, auf dem Zimmer sein – dann geht das Ganze wieder von vorne los. Es ist schon ganz schön nervig, wenn man nicht zur Arbeit kann. Normalerweise arbeite ich mit Lebensmitteln und verpacke Tee. Die Leute auf der Arbeit vermisse ich am meisten, vor allem miteinander zu reden. Ich telefoniere auch nicht gerne. Ich spreche lieber mit den Menschen von Angesicht zu Angesicht."


Eine junge Frau mit orangenen Haaren, Brille, rotem Pullover und gelben Schlüsselband um den Hals steht vor einer großen Hecke und schaut in die Kamera
Elvira würde gerne wieder zur Arbeit und mit ihren Kollegen den Tag gestalten. Da darf das halbe Hähnchen zum Mittag nicht fehlen. Bild: Michael

Elvira, 33 Jahre, aus Bremen:
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Meine Stimmung ist mal so, mal so. Ich darf nicht arbeiten und nicht zu meiner Familie. Außerdem darf ich nur mit Begleitung einkaufen. Ich muss immer direkt meine Hände desinfizieren und jetzt gibt es auch noch eine Maskenpflicht beim Einkaufen. Ich darf schon seit dem 18. März nicht mehr zur Arbeit und vermisse die Reinigung und mein halbes Hähnchen zum Mittag. Auch meine Arbeitskollegen vermisse ich sehr. Im Moment gucke ich einfach viel Fernsehen."


Ein Mann mit kurzen, dunklen Haaren in orangenem Pullover und Brille steht im Garten vor einer grünen Rasenfläche und lächelt in die Kamera
Markus freut sich auch ein wenig über die viele freie Zeit, die er gern in seinem Zimmer mit seinen Aquarium-Fischen verbringt. Bild: Michael

Markus, 43 Jahre, aus Bremen:
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Normalerweise mache ich auf der Arbeit im Martinshof Kerzen. Ich bin da mit ungefähr 30 Leuten und ist es sehr laut. Deshalb freue ich mich auch ein bisschen darüber, dass ich jetzt nicht zur Arbeit muss. Ich bin momentan viel in meinem Zimmer und beschäftige mich mit meinen Fischen. Ich freue mich immer meine Freundin freitags zu sehen, die wohnt nebenan. Mich nervt, dass man nicht richtig einkaufen kann. Ich würde gerne mal wieder mit der Straßenbahn ins Hansa-Carré fahren. Hier im Wohnheim in Gröpelingen spielen wir viele Kartenspiele oder machen Teerunden mit Knabberzeug. Ansonsten telefoniere ich oft mit meiner Mama und mit meiner Freundin."

(Interview vom 14. Mai 2020)

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 5. Mai 2020, 10:15 Uhr