Coronageschichten

Ute kann ihr Tanzstudio nicht öffnen: "Wie lange überstehen wir das?"

Leeres Tanzstudio in Vegesack
Im kleinen Studio von Ute dürfen nach derzeitigen Bestimmungen nur drei Personen gleichzeitig tanzen; zwei Schüler und ein Trainer. Bild: Ute

Ute, aus Bremen:
"Ich betreibe eine kleine Tanzschule in Bremen-Vegesack und uns geht es derzeit nicht gut. Mein Team hat mit Hochdruck daran gearbeitet, dass es endlich wieder losgeht mit einer Wieder-Eröffnung - aber wir haben immer noch nicht die Chance mit unserem Hygiene- und Abstandskonzept zu eröffnen. Dabei wurde das Konzept vom deutschen Berufsverband für Tanzpädagogik und dem Verband für Tanzmedizin empfohlen und wir haben es noch auf unser Studio angepasst.

Wir dürfen aber noch nicht wieder öffnen, weil für Indoor-Sport nur große Hallen berücksichtigt werden konnten. Uns ist klar, dass wir vorsichtig sein müssen, und es ist uns klar, dass lange keine Normalität bei Präsenztanzarten eingerichtet werden kann, aber wir möchten gern die Chance haben, mit mehr als zwei Personen unser Tanzen wieder zu beginnen. Denn das ist es, was unser Saal laut Abstandsregel derzeit vorgibt: 20 Quadratmeter pro Person - das sind bei uns zwei Personen plus Lehrer. In anderen Bundesländern durften kleine Studios schon wieder mit reduzierter Teilnehmerzahl öffnen, denn dort gelten geringere Quadratmeter-Vorgaben pro Person.

Ute Mai und ihr Geschäftspartner Matthias Radtke
Inhaberin Ute Mai und Matthias Radtke. Die beiden haben das Tanzstudio in Vegesack gemeinsam gegründet. Bild: Tanzhafen Akademie Vegesack

Wir haben im Moment die große Befürchtung, dass in den Medien und der Politik nur die Fitnessstudios und die Sportvereine im Kopf sind und an uns einfach nicht gedacht wird. Wir sind nunmal klein und fein. Wir haben die Sparten Ballett und HipHop mit Breakdance ganz stark im Programm. Kinder im Alter von vier Jahren fangen bei uns an, die älteste Ballett-Teilnehmerin ist Mitte 70. Wir versuchen seit Wochen, seit dem Lockdown, unsere Mitglieder irgendwie bei der Stange zu halten mit Videos und Tutorials. Die meisten bleiben bei uns, aber mittlerweile sind es noch 125 von den 160 Mitgliedern, die noch zahlen können.

Am 1. Juli feiern wir unser fünfjähriges Jubiläum, das heißt, wir wollten feiern. Im Moment steht es in den Sternen, wann wir feiern können und ob wir feiern können. Denn wie sollen wir unseren Mitgliedern klarmachen, dass sie beim nächsten Schritt der Lockerungen vielleicht wieder nicht dabei sind? Wir kämpfen gemeinsam mit anderen Tanz- und Ballettstudios und mit dem Verband Tanzszene Bremen e.V. darum, dass wir berücksichtigt werden. Wir sind so viel mehr. Wir sind nicht nur Sport. Wir sind Gesundheit, wir sind Gesellschaft, wir sind Bildung, wir sind Vor-Ausbildungsstätte für den Beruf des Tänzers und des Tanzlehrers.

Außerdem planen wir eigentlich mit Steptext Bremen und der Schwankhalle zusammen ein siebenmonatiges Projekt. 'Jugend ins Zentrum' ist der Träger. Es soll Tanztheater-Aufführungen in Vegesack und Bremen geben. Wir wollen die Stadtteile zusammenbringen, aber können es einfach nicht. Wie lange können wir das überstehen? Das fragen wir uns wirklich."

(Sprachnachricht vom 29. Mai 2020)

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, 7. Juni 2020, 15:10 Uhr