Coronageschichten

Ein Schausteller ohne Osterwiese, Kramermarkt und Dom

Ein junger Mann steht vor einer Theme mit Lebkuchenherzen auf dem Freimarkt
Schausteller Symon hofft, dass zumindest im Herbst wieder kleine regionale Volksfeste stattfinden können Bild: Stella | Stella Vespermann

Symon aus Syke:
"Im Normalfall wären wir jetzt auf mit einem Geschäft auf der Hamburger Dom und mit dem anderen auf der Überfahrt von der Bremer Osterwiese zum Delmenhorster Kramermarkt. Da würden wir unsere gebrannten Mandeln und Schokofrüchte verkaufen. Durch die aktuellen Verfügungen und Verbote sind uns die Hände gebunden.

Zurzeit dürfen keine Volksfeste oder Jahrmärkte stattfinden. Deshalb sind wir jetzt zu Hause. Wie es uns geht, geht es allen anderen Schaustellern gerade auch. Wir wollten die Soforthilfen vom Staat eigentlich nicht in Anspruch nehmen, weil wir als Selbstständige immer für uns selbst sorgen konnten und wollten. Das ist aber zurzeit nicht mehr so.

Für uns kommt Corona einem Berufsverbot gleich. Und wir wissen nicht, wie es weitergehen wird. Wir werden wohl nicht drum herumkommen, die Hilfen anzunehmen. Gucken wir weiter: Bis Ende August sind alle Großveranstaltungen generell untersagt. Und keiner sagt uns, wann es weiter geht.

Wenn wir dann weiter arbeiten könnten, dann könnten wir die Herbsttour beginnen. Aber das seh ich momentan nicht. Nach dem aktuellen Stand wird, meiner Meinung nach, darauf gewartet, dass es ein Medikament gibt oder einen Impfstoff… Ich bin kein Virologe…

Dieses Jahr wird es für uns eng. Und wenn wir dann nächstes Jahr im Frühling auch nicht starten – was sollen wir machen? Wir sind auf einen Zuschuss oder Rettungsschirm angewiesen. Wir sind alle selbstständig, wir haben unsere Verdienste auf den Volksfesten und auf den Weihnachtsmärkten. Wir wissen nicht, wie wir das kompensieren sollen.

Unsere Einnahmen stammen noch von der Weihnachtsmarktsaison, damit kommen wir über die Wintermonate, das kalkulieren wir so. Das ist jedes Jahr so. Jetzt im April wird es dünner, uns fehlen in diesem Monat die Einnahmen. Auch im Mai, Juni, Juli und August haben wir keine Einnahmen. So sieht es gerade aus. Wir stehen ohne Einkommen da. Es ist schwer für uns.

Heute morgen dann die Nachricht, dass das größte Volksfest der Welt abgesagt wurde - das Oktoberfest und auch in ganz Bayern alle Volksfest bis Ende des Jahres nicht stattfinden. Wir hoffen, dass nicht jede Kommune, nicht jede Stadt das so macht und alles absagt für dieses Jahr.

Der Bremer Freimarkt ist noch weit weg. Für mich wäre das zu früh, auch dieses Event schon abzusagen. Das würde uns jegliche Hoffnung nehmen. Wir hoffen daher, dass die kleineren Veranstaltungen mit regionalem Publikum vielleicht stattfinden könnten. Wir machen das ja alles gerne, wir möchten unsere Besucher und Stammkunden begeistern. Wir freuen uns jedes Jahr auf jede Stadt und die Menschen dort.

Wenn man dieses Jahr noch auf dem einen oder anderen Volksfest noch das ein oder andere Lächeln die Gesichter der Besucher zaubern kann, das würde uns viel bedeuten."

(Sprachnachricht vom 21. April 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr