Coronageschichten

Sibylle begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg

Auf anthrazitfarbenen Mosaikfliesen stehen zwei Paar schwarze Wanderschuhe. Davor liegen altes Holz und Steine, was an Strandgut erinnert
Sibylle begleitet Menschen auf dem letzten Weg in ihrem Leben. Dazu gehört vor allem da zu sein und Hände zu halten um gemeinsam mit den Angehörigen diese Situation zu meistern. Bild: Sibylle

Sibylle, 52 Jahre, aus Axstedt
"Wegen Corona darf ich als Ehrenamtliche nicht mehr ins stationäre Hospiz, wo ich sonst zwei Mal in der Woche Gäste und Angehörige begleite. Trotzdem kommt es für mich nicht in Frage, die Hände in den Schoß zu legen. Über die Hospizhilfe Bremen e.V., in der ich auch tätig bin, besteht glücklicherweise weiterhin die Möglichkeit Menschen ambulant zu begleiten.

Lebensbedrohliche Krankheiten machen auch in Coronazeiten keine Pause. Gerade in diesen Zeiten, wo sowieso nichts mehr so ist, wie es der Sterbenskranke gewohnt ist, ist es wichtig Halt zu geben. Auch wenn ich die Hand nicht halten kann und auch eine stützende Umarmung nicht möglich ist, geht doch viel mehr als wir denken. Da sein, sichtbar und fühlbar sein auch mit Community-Maske, gibt ein bisschen Sicherheit in unsicheren Zeiten.

Ich gehe ein Stück auf diesem Weg mit. Es ist das letzte Stück des Lebens und vielleicht das Wichtigste. Dabei ist die Unterstützung der Angehörigen bei Bedarf ebenso wichtig, denn auch sie gehen diesen Weg mit ihren Liebsten das erste, einzige und gleichzeitig letzte Mal. Eine große Herausforderung für alle Seiten und nur gemeinsam zu meistern. Darum bin ich dankbar, trotz dieser schwierigen Corona-Zeit für alle Beteiligten da sein zu können und den Weg gemeinsam zu gehen."

(E-Mail vom 1. Mai 2020)

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Bremen Eins am Sonntagabend, 3. Mai 2020, 18:40 Uhr