Coronageschichten

Freudenhaus der Kunst: Endlich kann Phil seine Ausstellung eröffnen

Phil, 24 Jahre, aus Bremen
"Wir wollten vor einigen Wochen unsere Ausstellung, den 'Salon Obscura', eröffnen. Daran haben wir bestimmt ein Jahr lang gearbeitet. Der 'Salon Obscura' ist eine Art Vergnügungspark mitten im Wohngebiet, im Bremer Viertel: mit einem Labyrinth, einem abstürzenden Fahrstuhl, einem Bällebad und einem Spiegelkabinett – im Stil eines ominösen Hotels aus den 20er oder 30er Jahren.

Es ist ein Hotel, das einem vertraut vorkommt, weil sich die Möbel sehr stark an Dingen orientiert, von denen man gewöhnlich meint, da wäre man zuhause, das wäre gemütlich. Sozusagen eine Art positiver Muff. Durchbrochen wird das dann aber durch einen Laser und Lichteffekte. Überall riecht es nach Rosen – und dann wieder nach Räucherstäbchen. An manchen Stellen regnet es rein, man wird mit einem Regenschirm abgeholt. Man kommt in diese warme, rot gefärbte Lobby hinein, bekommt ein Getränk serviert und darf sich seinen Zimmerschlüssel abholen. Und dieses Zimmer gilt es dann zu finden. Damit wird man in ein Labyrinth aus Zimmertüren geschickt.

Innerhalb dieses großen Jahrmarkt-Gebildes ist eine Ausstellung integriert. Das heißt, wir vermitteln die Kunst nicht einfach an weißen Wänden, sondern in einem eigenen, großen begehbaren Kunstwerk. Das ist also eine Mischung aus Theater, Jahrmarkts-Attraktion, Galerie und ganz viel Fotografie – eine Mischung, wie zumindest ich sie bisher noch nirgendwo gesehen habe.

Nach einem Jahr Bauzeit und eine Woche vor der Eröffnung kam dann die große Katastrophe: Wegen Corona durften wir nicht eröffnen. Damit verbunden war natürlich auch ein großer finanzieller Schaden. Wir haben allerdings viel Unterstützung von den Leuten aus unserer Firma bekommen. Das waren große Kunden, aber auch Leute, die ab und zu einfach mal hier waren und das durch Zufall mitbekommen haben. Die haben zum Beispiel Geld gespendet, Gutscheine gekauft oder Fotoshootings gebucht, die sie eines Tages einlösen werden. So sind dann mehr als 8.000 Euro zusammengekommen. Das hat uns geholfen, diese Zeit zu überstehen. Und jetzt endlich sind wir in der Lage, zu eröffnen.

Und tatsächlich haben wir auch alles fertig bekommen: Jede Wand sitzt, keine Tapete rollt mehr von der Decke, jeder Fahrstuhl stürzt ab. Wir sind glücklich und können es kaum erwarten, am 23. Mai loszulegen."

(Sprachnachricht vom 20. Mai 2020)

Dieses Thema im Programm: Bremen Next , Next am Nachmittag, 21. Mai 2020, 16:40 Uhr