Coronageschichten

Oumar und sein Verein wollen in der Krise für andere Menschen da sein

Ein junger Mann trägt Einkaufstüten
Der Guineische Verein für Integration und Bildung in Deutschland kauft für andere Menschen ein und kocht für sie. Bild: Oumar

Oumar, 33 Jahre, aus Bremen
"Ich möchte Hoffnung geben. Ich habe die Hoffnung noch nicht verloren und hoffe, dass etwas Besseres kommt. Für uns als Guineischer Verein für Integration und Bildung in Deutschland ist es natürlich eine Herausforderung, dass wir uns nicht zusammen treffen können. Aber es war uns wichtig, auch in diesen Zeiten aktiv zu bleiben. Wir wollen den Menschen helfen – mit Abstand.

Viele Menschen leben hier in Deutschland alleine und haben keine Familie, sind sehr traurig, verschlossen und hoffnungslos. Für die Menschen, die in der Erstaufnahmestelle in der Lindenstraße wohnen, haben wir zum Beispiel gekocht. Die Menschen, die dort leben, befanden sich in Quarantäne und konnten nicht kochen. Bei der Aktion ging es für sie nicht um das Essen – sie haben sich anerkannt und dazugehörig gefühlt. Das war total herzlich. Und genau das wollten wir erreichen: Wir wollten den Menschen zeigen, dass wir für sie da sind. Trotz Krise.

Wir erledigen Einkäufe für Menschen, die nicht in der Lage sind, selbst einkaufen zu gehen. Wir helfen aber zum Beispiel auch bei der Übersetzung von behördlichen Dokumenten. Wir versuchen den Menschen die Unsicherheiten zu nehmen, indem wir für sie da sind. Wir versuchen mit ihnen zu sprechen, telefonisch oder per Videokonferenz. Jede Woche, meistens freitags, tauschen wir uns über unsere Situation aus. Jeder ist verpflichtet zu sagen, wie es ihm geht, ob er gesund ist, Hilfe braucht oder ob jemand aus der Familie oder von den Bekannten erkrankt ist.

Uns ist es aber auch wichtig, ins Ausland zu gucken, sei es Europa oder Afrika. Viele haben dort Familie. Wir schauen, wie die aktuelle Lage dort ist und wie es den Menschen geht. All das hat mich motiviert, aktiv zu sein. Alleine zu Hause zu sein und nichts zu tun, ist auch keine Lösung."

(Sprachnachricht vom 18. Mai 2020)

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 24. April 2020, 6:47 Uhr