Coronageschichten

Trauerarbeit: Nils schreibt ein Buch über seine Oma

Nils mit dem Cover seines Buches
Nils ist in der Coronazeit kreativ geworden. Erinnerungen an Oma Christa - so hat er seine Zeit genutzt. Bild: Nils

Nils, 37 Jahre alt, aus Bremen:
"Meine Oma ist Ende Februar, zweieinhalb Wochen nach ihrem 92. Geburtstag, verstorben. Nicht an den Folgen von Corona. Wir konnten sie - im Nachhinein betrachtet - glücklicherweise noch ohne Einschränkungen und in einem würdigen Rahmen Anfang März beisetzen.

An sie habe ich in den letzten 14 Wochen zu Hause viel gedacht. Ich fing an, den Tag der Beisetzung zu rekapitulieren, habe mich gefragt, wie unsere kleine Tochter diesen Tag wohl erlebt haben könnte und schrieb mir dann auf einmal in den Kopf schießende Kindheitserinnerungen von mir und meinen drei Geschwistern auf. Zu diesen Geschichten machte ich passende Strichmännchenzeichnungen und daraus ist dann irgendwie ein 52-seitiges Büchlein entstanden, das man mittlerweile dank eines Self-Publishing-Portals überall wo es Bücher gibt kaufen kann. Meine Art der Trauerbewältigung.

Ich bin nach wie vor in Kurzarbeit, da unsere Branche (Ticketing und Live-Entertainment) wohl eine der letzten sein wird, die ihren Betrieb wieder aufnehmen kann. Wann, ist noch ungewiss. Vielleicht erst so richtig wieder, wenn es einen Impfstoff gibt. Wer weiß. Auch wenn sich das jetzt nach einem Wandtattoospruch oder so anhört, aber wenn man mich fragen würde: 'Was hast Du als Generation Y-Heini aus Corona gelernt? Was nimmst Du für Dich mit?' - würde ich sagen: Entschleunigung. Und: Dinge, die man als selbstverständlich angesehen hat, bewusster wahrnehmen beziehungsweise mehr schätzen. Zeit mit der Familie verbringen zum Beispiel oder mal wieder öfter auf ein Bierchen mit lieben Menschen in die Eckkneipe. Oder aufs Konzert. Das sichert Arbeitsplätze. Auch meinen."

(E-Mail vom 19. Juni 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. April 2020, 19:30 Uhr