Coronageschichten

Uni-Lehre virtuell: Melike kämpft mit der Technik

Frau tippt an Laptop
Plötzlich muss alles online gehen – auch das Studium. Bild: Imago | Panthermedia

Melike, 30 Jahre alt, aus Bremen
"Ich arbeite als Post-Doktorandin an der Uni Bremen. Kürzlich hat das Sommersemester begonnen und ich lehre jetzt online. Nun bin ich zeitgleich auch umgezogen und hatte noch kein Internet in der neuen Wohnung. Glücklicherweise konnte ich meine alte Wohnung mit Internet noch bis Ende April nutzen. Bei dem schönen Wetter hat es mich nicht gestört, jeden Morgen eine halbe Stunde mit dem Rad dorthin zu radeln.

Online zu lehren ist etwas ganz Neues für mich, aber es macht mir Spaß. Natürlich muss ich vieles anders gestalten, als wenn die Studierenden und ich gemeinsam an der Uni sind. (...) Ich weiß noch nicht, wie meine StudentInnen die Online-Lehre empfinden. Erst am Semesterende wird eine Evaluierung des Kurses hoffentlich Auskunft geben. Aber das erste Webinar war eine aufregende Situation für mich: Eine Stunde vor Sitzungsbeginn habe ich den Link verschickt, mit dem sich die Studierenden in mein Seminar einloggen konnten. 18 der 20 TeilnehmerInnen 'erschienen' pünktlich – ich hörte jedes Mal ein kleines Geräusch, wenn eine weitere Person sich angemeldet hat – aber ich sah nur einen schwarzen Monitor, denn niemand hatte das Video angeschaltet. Und ich hörte nichts, denn alle Mikrophone waren ausgeschaltet. Außer meinem natürlich. Also schaute ich mich selbst an und sprach in den scheinbar leeren Raum. Nach kurzem Unbehagen und meiner Aufforderung doch bitte das Video zu aktivieren, was dann auch viele Studierende getan haben, fühlte ich mich fast wie immer.

Eigentlich ist es gar nicht so anders als im 'normalen' Klassenraum: Ich erkläre die Kursinhalte und Leistungen, teile die Studierenden in Kleingruppen ein und erkundige mich regelmäßig, ob es Fragen gibt. Einige Unterschiede gibt es allerdings doch: Fragen werden nun in den Chat geschrieben, und wenn ich diese beantworte, muss ich mich daran erinnern, die Frage für alle zu wiederholen. Auch muss ich Studierende regelmäßig daran erinnern, dass ein bejahendes Nicken nicht reicht, da die anderen sie ja nicht unbedingt sehen. Dann bekomme ich ein Smiley und alle lachen (stumm). Also eigentlich ganz nett.

Ich ziehe die Präsenz-Lehre für Seminare jedoch vor. Für diese Studienform ist das Miteinander ein wichtiger Bestandteil, denn es fördert den Austausch, das Textverständnis und das Kennenlernen unter den Studierenden. Online fehlt mir das 'Sich-mit-an-den-Tisch setzen' und die Begleitung durch mich als Lehrende. Auch das Gefühl der 'dampfenden Köpfe' – wenn die Studierenden gemeinsam einen Grundlagentext erarbeiten – gibt es so nun nicht mehr.

Ich freue mich daher schon sehr darauf, meine StudentInnen hoffentlich bald in den Gängen und Räumen der Uni 'in persona' kennen zu lernen. Was meine Internet-Situation angeht, hoffe ich, dass mein Anbieter mir bald den Router zuschickt, denn lange kann ich nicht mehr in meine alte Wohnung. Und eine gute Internetverbindung ist gerade jetzt sehr wichtig für mich."

(E-Mail vom 22. April 2020)

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, Next am Nachmittag, 24. April 2020, 14:50 Uhr