Coronageschichten

Innerhalb von fünf Minuten verheiratet

Eine Frau mit dunklen Haaren, roter Brille und rotem Lippenstift und ein Mann mit Glatze und blauem Hemd stehen vor dem Standesamt Mitte in Bremen
Melanie hat im Standesamt ohne ihre Tochter, ohne Gäste und ohne Traurede ihrem Mann das Ja-Wort gegeben. Bild: Melanie

Melanie, 39 Jahre, aus Bremen
"Am 9. April 2020 um 10 Uhr haben wir innerhalb von nur fünf Minuten im Standesamt geheiratet. Zum Glück war uns das noch erlaubt. Allerdings hatte das Standesamt Bremen Mitte die Auflage, dass wir als Eheschließende die einzigen sind, die das Trauungszimmer betreten. Nicht einmal unsere gemeinsame Tochter (18 Monate) durfte dabei sein. Auch auf eine Traurede mussten wir verzichten.

Im Anschluss wollten wir zum Kaffee und Kuchen essen in der eigenen Wohnung einige wenige Gäste einladen. Doch auch hier ist das Ordnungsamt leider wenig tolerant. Auf der einen Seite ist das verständlich, auf der anderen Seite dürfen bei Beerdigungen auch mehrere Menschen anwesend sein. So durfte nicht einmal die Schwester meines Ehemannes zum Kaffee kommen.

Ich arbeite in einem Pflegeheim und weiß, dass ich mich und meine Familie schützen muss. Ich weiß auch, dass dieses Coronavirus das ganze Leben auf den Kopf stellt. Auch ist mir bewusst, dass diese Kontaktsperre Leben rettet. Dennoch macht mich das sehr traurig. Natürlich hätten wir auch ein anderes Datum auswählen können, aber wir sind am 8. April 2012 zusammengekommen und zu dem Zeitpunkt war ebenfalls Ostern. Im Januar stand alles bereits fest und es war noch nicht ersichtlich, dass diese Krise solche Ausmaße annimmt. Somit haben wir zu zweit, ohne Kaffee und Kuchen und ohne unsere gemeinsame Tochter geheiratet." (E-Mail vom 9. April 2020)

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, Next am Morgen, 31. März 2020, 6 Uhr