Coronageschichten

Film ohne Kuss: Wie Matthias trotz Corona einen Dreh organisiert

Matthias Greving (rechts) steht mit Kollegen vor einem Haus
Nein, das ist kein Western, sondern der Corona-Look. Matthias (rechts) produziert den Film über Heinrich Vogeler. Bild: Kinescope Film Gmbh/Benjamin Eichler

Matthias,34 Jahre alt, aus Bremen
"Als die Pandemie kam, wusste keiner, was das für unseren Filmdreh und für die ganze Branche bedeutet. Die erste Reaktion: Alles wurde gestoppt. Wir dachten, das sei jetzt vielleicht für zwei, drei Wochen so. Wir hatten gerade an den Szenen für unseren Heinrich-Vogeler-Film in Berlin gedreht. Dann war klar, dass wir auf unbestimmte Zeit Pause machen müssen.

Ich habe sofort angefangen, mich mit den rechtlichen Bestimmungen zu beschäftigen. Wir mussten als Produktionsfirma rechtliche Wege finden, um überhaupt wieder drehen zu können. Ich bin aber nicht nur Produzent, sondern auch Vorstandsmitglied im Bundesverband Regie. Und meine Recherchen waren für den ganzen Verband wichtig. In den ersten Wochen ging es aber erst einmal um die Mitarbeitenden. Kurzarbeit, Ausfallhonorare – wie zahlen wir das? Dann haben wir uns an ein Konzept gesetzt, um wieder drehen zu können.

In Zusammenarbeit mit einem großen Anwaltsteam, gemeinsam mit Verbänden und der Berufsgenossenschaft hat das auch geklappt – und wir konnten als eine der ersten Firmen am 19. Mai wieder anfangen zu drehen. Natürlich mit zahllosen Hygieneregeln: Abstand halten, Maskenpflicht am gesamten Set, auch bei allen Proben und auch draußen, alle Schauspieler werden getestet, alle fahren einzeln zum Set, überall Desinfektionsmittel, wenig Medienbesuche und auch sonst keine fremden Menschen dort.

Es war ständig eine Hygienebeauftragte am Set. Meine Liste mit den Maßnahmen ist noch viel länger. Dann mussten wir alle Szenen durchgehen: Küssen und Körperkontakt sind vor der Kamera nicht möglich, diese Szenen mussten wir umgehen oder anders drehen. Wir haben sogar beim Dreh immer versucht, den Mindestabstand einzuhalten – und es auch geschafft. Klar, es dauert alles länger und ist viel komplizierter. Niemand ist glücklich über die Situation. Aber alle waren heilfroh, dass wir überhaupt wieder drehen konnten und trotz aller Widrigkeiten gab es einen tollen Zusammenhalt im Team.

Der Film ist jetzt abgedreht, er spielt hauptsächlich in Worpswede und Bremen. Jetzt starten wir mit dem Schnitt. Ziel ist, dass der Film bis Ende des Jahres fertig wird. In der Postproduktion, also der Endfertigung, sind die Hygieneregeln kein großes Problem – da können wir viel Abstand einhalten und von unterschiedlichen Orten auf das Ergebnis schauen. Die Pandemie-Zeit ist eine heftige Erfahrung. Aber es war super wichtig, weiter zu machen und Wege zu finden, weiter Filme zu produzieren. Und das Wissen, was wir jetzt haben, ist Gold wert für unsere nächsten Projekte."

(Interview vom 12. Juni 2020)

Heinrich Vogeler-Doku: So sehen Dreharbeiten in der Corona-Krise aus

Video vom 27. Mai 2020
Auf einer Wiese stehen mehrere Personen. Sie halten Kameraequipment in den Händen.
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Mai 2020, 19:30 Uhr