Coronageschichten

Wie eine Pflegeeinrichtung das Beste aus der Situation macht

Bewohner einer Pflegeeinrichtung genießen die Sonne im Hof.
Margret hat schon Mitte März ein Betretungsverbot in ihrer Pflegeeinrichtung ausgesprochen. Mit Videos und Konzerten im Hof hält sie die Bewohner bei Laune. Bild: Margret

Margret, 64 Jahre, aus Oyten:
"Ich leite eine Pflegeeinrichtung für alte Menschen. Schon Anfang März habe ich unseren Urlaub storniert und bin zu keiner Feier mehr gegangen. Am 12. März haben wir in unserer Einrichtung bereits ein Betretungsverbot ausgesprochen und immer ein bisschen schneller als erforderlich alle Hygienemaßnahmen befolgt.

Wir haben Abstand gehalten und sind dabei noch näher als zuvor zusammengewachsen. Wir sitzen in einem Boot und wollen dies gesund und mit allen gemeinsam an Land bringen. Wir haben schnell begonnen, mit den Angehörigen zu skypen und kleine Videos gedreht und sie den Angehörigen geschickt. Die Fotos und Videos, die zurückkamen, konnten wir dann den Bewohnern zeigen und wurden mit strahlenden Gesichtern belohnt. Wir haben sogar ein Lied gedichtet, das zum Ohrwurm wurde: "Das Coronavirus schränkt uns ein". Wir schreiben und basteln Karten und bekommen ganz viel zurück.

Bewohner einer Pflegeeinrichtung genießen die Sonne im Hof.
Bei schönem Wetter sitzen die Bewohner mit Abstand im Hof, gucken Vögel und lauschen einem Privatkonzert. Bild: Margret

Und wir freuen uns über die vielen Vögel, die wir plötzlich in unserem Park hören und sehen. Wir glauben fest an die Heilwirkung der Natur und haben in Sprühflaschen stets eine Thymianölmischung (mit ein bisschen Wodka) dabei. Jeder, der bei uns über 60 Jahre alt ist, bekommt vom Haus Vitamin C Zink Selen zur täglichen Stärkung des Immunsystems. Seit gut drei Wochen näht meine Tochter Joana Mundschutze und verkauft diese, wobei der Erlös zu 100 Prozent in die Mitarbeiterkasse fließt.

Mindestens einmal pro Woche frühstücken wir mit allen anwesenden Mitarbeitern zusammen, natürlich mit Abstand. Wir tragen Masken und sind fröhlich drauf, wir beschäftigen uns wie immer und achten auf jeden. Lebenswichtig für uns aber ist, dass alle Mitarbeiter, die das Haus betreten, ihre sozialen Kontakte auf ein absolutes Minimum reduzieren, Abstand halten, Mundschutz tragen und ihre Hände waschen und desinfizieren. Wir sind gut gestellt und wollen es auch bleiben. Wir schaffen das, daran glauben wir ganz fest." (E-Mail vom 7. April 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr