Coronageschichten

Backpacker aus Martfeld sitzt in Neuseeland fest

Video vom 9. April 2020
Luis sitzt in einem Campingstuhl neben seinem Auto in Neuseeland.
Luis hofft bald einen Rückflug nach Deutschland zu bekommen, derzeit sitzt er auf einem Campingplatz in Neuseeland fest. Bild: Luis

Luis aus Martfeld:
"Ich reise nun schon seit acht Monaten durch Neuseeland und habe meine Zeit hier durchaus genossen. Vor ungefähr zwei Wochen ging es dann mit dem Coronavirus auch hier richtig los, zunächst mit der Grenzschließung für alle Einreisenden.

Davor hat man als Backpacker eigentlich so gut wie gar nichts von der Coronakrise mitbekommen. Natürlich hat man schon erfahren, was in Deutschland so passiert, aber hier in Neuseeland war recht wenig davon zu spüren. Aber dann ging es hier innerhalb von einer knappen Woche Schlag auf Schlag. (...)

Zwei Tage nach der Grenzschließung bin ich nach Christchurch gefahren, da war ich noch auf der Südinsel unterwegs und habe versucht, einen Rückflug nach Deutschland zu bekommen. Andere Reisende erzählten mir, es sei ein Ding der Unmöglichkeit, einen Flug zu bekommen. Mehrere hatten zum Beispiel berichtet, dass sie zwei Flüge über verschiedene Anbieter gebucht haben und beide gecancelt wurden. Das Geld sieht man natürlich auch erst einmal nicht wieder: Alle Telefone sind besetzt, man kommt nirgendwo mehr durch und steht dann mitten in Neuseeland und weiß nicht so recht, was man jetzt tun soll.

Es gab ja dieses Rückholprogramm der Bundesregierung, aber nicht für Neuseeland. Und nach so zwei, drei Tagen kam dann auch die Ansage 'Lockdown in 48 Stunden'. Im Hostel haben dann alle versucht, noch irgendwo eine Schlafmöglichkeit zu buchen und unterzukommen. (...)

Heute (2. April 2020), haben wir erfahren, dass die Rückflüge aus Neuseeland wieder aufgenommen werden. Wir freuen uns natürlich und hoffen, dass es bald zurückgeht. Ansonsten muss man sagen, dass sich der 'Council' hier in der Gegend wirklich sehr gut um uns gekümmert hat. Vor zwei Tagen haben sie hier Duschen aufgebaut, es gibt viele mobile Toilettenhäuschen und gerade sind sie dabei, hier auf dem Campingplatz eine Stromversorgung einzurichten. Auch viele andere Neuseeländer helfen. Trotzdem war die Zeit, in der man nicht so recht wusste, wie es weitergeht, wirklich schwierig.

Wir hatten noch Glück, dass wir hier mit unseren Autos stehen dürfen. Viele andere Backpacker mussten in Hostels und Hotels und zahlen deutlich mehr Geld. Einige haben aber nicht mehr so viel und es geht ihnen so langsam auch das Geld für einen Rückflug aus. Insgesamt freuen sich also glaube ich alle, dass man bald zurückkommen kann." (E-Mail vom 2. April 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr