Coronageschichten

Von jetzt auf gleich zur Social Media-Managerin im neuen Job

Eine Frau an ihrem Arbeitsplatz
Lisa kümmert sich um die Social Media-Projekte bei Trauerland. Bild: Lisa

Lisa, 28 Jahre, aus Bremen
"So schnell kann's gehen: Eingestellt, um knackige Texte zu schreiben und schicke Flyer zu zaubern, wurde ich kurzerhand zum Chef-Editor befördert – ach ja, und zur Social Media-Managerin. Dabei habe ich vor gerade mal sechs Monaten meinen Job in der Öffentlichkeitsarbeit von Trauerland begonnen.

Unser Verein unterstützt Kinder und Jugendliche, die einen geliebten Menschen verloren haben und normalerweise ist bei uns immer was los: Es wird getobt, gespielt oder einfach nur geredet. Doch dann kam Corona und hat auch bei uns alles ordentlich durcheinander gewirbelt. Vor zwei Monaten habe ich noch an der Pressemitteilung für unseren Tag der offenen Tür gefeilt, Flyer für das nächste Seminar entworfen und mir den Kopf darüber zerbrochen, wie wir noch ein paar Karten für unser Benefizkonzert unter die Leute bringen. Und jetzt? Kein Tag der offenen Tür, keine Seminare, kein Konzert - aber vor allem: keine Trauergruppen.

Alles veränderte sich so rasend schnell um mich herum, dass ich gar nicht hinterherkam. Die immer gleichen Fragen wiederholten sich in Endlosschleife in meinem Kopf: Wann werde ich meine Großeltern wiedersehen? Wird mein Opa mich dann überhaupt noch erkennen? Was ist mit meinem Job? Werde ich ihn verlieren, schließlich bin ich noch in der Probezeit? Nach dieser ersten Schockstarre – und einer Menge Frustration, schließlich war wochenlange Arbeit plötzlich für die Tonne, siegte der Trotz: Okay Corona, Herausforderung angenommen!

Zwei junge, brünette Frauen in Malerkittel sitzen vor einer bunt bemalten Wand an einem Tisch, auf dem Pinsel, Tusche und weiße Blätter liegen
Der Verein Trauerland in Bremen bietet in Zeiten der Coronakrise auch digitale Angebote wie Videos an. Bild: Lisa

Persönlicher Kontakt ist nicht mehr angesagt? Dann ist es ja gut, dass ich zur Generation Online gehöre! Als einzige 'Digital Native' im Team war ich plötzlich ganz schön gefragt, schließlich musste innerhalb kürzester Zeit eine Online-Kampagne her. Ambitioniertes Ziel, das zu einigen Kopfschmerzen führte, aber die viele Arbeit lenkte mich wunderbar von meinem Gedankenkarussell ab. Eine Menge Tassen Kaffee und rauchende Köpfe später war es so weit: Unsere Kampagne #wirsindda war bereit ans Netz zu gehen.

In den kurzen Clips zeigen unsere Pädagog*innen Spiele, Übungen und Bastelideen, die Spaß machen und helfen, in diesen skurrilen Zeiten nicht die Nerven zu verlieren. Die Videos sind auf dem Facebook- oder YouTube-Kanal von Trauerland zu sehen. Klar, kann kein Online-Angebot der Welt gemeinsames Toben und Kuscheln ersetzen, aber vielleicht können unsere Videos einen kleinen Beitrag leisten, damit wir uns in dieser Zeit einander näher fühlen. Ich wünsche es mir und dafür wechsele ich auch gerne zeitweise in die Filmbranche!

P.S.: Mit meinen Großeltern bleibe ich übrigens ganz analog in Kontakt: Ich schreibe endlich mal wieder Briefe oder versende witzige Postkarten und mein Festnetzvertrag lohnt sich zum ersten Mal!"

(E-Mail vom 30. April 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr