Coronageschichten

Lisa produziert aus dem Chemie-Vorrat der Schule Desinfektionsmittel

Eine Frau mit Schutzmaske und Haartuch füllt in einer Apotheke Flaschen auf
Lisa und ihre Kollegen haben aus den Schulmaterialien Desinfektionsmittel für Behörden hergestellt. Bild: Lisa

Lisa, 33 Jahre, aus Bremen-Findorff
"Meine Superkraft? Ich kann Desinfektionsmittel herstellen! Eigentlich würde ich jetzt im Schnee gemütlich in der Sonne sitzen, dabei ein kühles Getränk schlürfen und gleich wieder mein Board anschnallen. Der Skiurlaub nach Südtirol war schon seit einem Jahr gebucht und die Vorfreude riesig, doch es kam anders...

Als erstes kam die Absage aus den Bergen, mit der wir schon gerechnet hatten, ein paar Tage später wurden außerdem die Schulen geschlossen. Ich bin Lehrerin an einer Berufsschule und bilde dort pharmazeutisch-technische Assistenten aus, seitdem eben von zu Hause. Da die Labore leer und die Chemikalien vorhanden waren, stellten wir Lehrkräfte kurzerhand Desinfektionsmittel für die Behörde und Schulen mit Notbetreuungen her, bis unsere Gefäße und Substanzen bis auf den letzten Tropfen aufgebraucht waren.

Nun helfe ich in einer Apotheke aus, da dort zwei Kolleginnen an Corona erkrankt sind, eine Kollegin noch die Quarantäne abwarten muss und zudem die Kundenzahl fast auf das Doppelte gestiegen ist. Es ist einfach verrückt. Zeitweise waren sogar Paracetamol und Nasenspray ausverkauft, Fieberthermometer sind schon lange nicht mehr lieferbar. Dennoch ist es toll, wieder in meinem alten Beruf arbeiten zu können, dies ist bei einer Vollzeitanstellung als Lehrerin nämlich leider sonst nicht realisierbar."

(E-Mail vom 14. April 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr