Coronageschichten

Kreative Hundetrainerin: Auch Welpen brauchen sozialen Kontakt

Ein helbrauner Welpenmis rennt mit einem Hundespielzeug im Maul auf die Kamera zu
Matti bekommt nicht nur sozialen Kontakt zu anderen Welpen, er kann auch richtig toben.

Liane, aus Groß Ippener
"Wenn die Welpen jetzt in der Coronazeit – und das sind ja inzwischen schon sechs Wochen – keine Kontakte zu Artgenossen haben, und sie vielleicht eh schon ängstlich sind und nichts weiter kennengelernt haben, dann kann das schwierig werden für ihr weiteres Leben.

Ein Beispiel: Ich hatte gestern einen jungen Hund hier, der war schon knapp über 16 Wochen alt. Der hat hier zum allerersten Mal in seinem Leben einen weißen Pudel gesehen und hat sich zu Tode erschrocken und gedacht: 'Das kann kein Hund sein!' Für den wird es jetzt ungleich schwerer werden, sich im Leben zurechtzufinden, und der ist jetzt sicher nicht mehr ganz so spontan anderen Hunden gegenüber.

Wenn ein Welpe 20 andere Hunde kennt und da ist ein doofer dabei, der ihn beim Jagen in den Hintern zwickt, dann sagt er sich: 'Alles klar, die anderen waren alle toll. Das ist nicht so schlimm.' Aber wenn er keine Artgenossen kennengelernt hat, und der erste, den er trifft, ist ein Außerirdischer, der vielleicht noch eine andere Nase hat und komische Geräusche beim Atmen macht – dann gibt es Welpen, die sind tough und stecken das weg. Es kann aber dazu führen, dass ein junger Hund dadurch große Schwierigkeiten für sein komplettes weiteres Leben bekommt.

Ich habe mir deshalb überlegt, wie ich das gut lösen kann – und wir machen hier deshalb jetzt übergangsweise eine 'Autokino-Hundespielstunde'. Heißt: Die Hundebesitzer bleiben im Auto sitzen und können von da aus beobachten, wie wir Trainer die Welpen bespaßen und aufpassen, dass die nichts Falsches lernen, keinen Blödsinn machen und neue Erfahrungen sammeln.

Wir haben das auf sechs Welpen beschränkt und haben ganz klare Anordnungen zum Ablauf: Zwei Trainer sind auf dem Platz und jeder Welpe wird einzeln übergeben. Alle Besitzer bleiben im Auto sitzen, steigen einzeln aus, überreichen nacheinander ihr Tier an einen Helfer, der den Hund einzeln auf den Welpenspielplatz zu uns Trainern bringt. Dort betreuen wir sie dann – und die Besitzer schauen vom Auto aus zu."

(Interview vom 3. Mai 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr