Coronageschichten

Der FC Oberneuland bringt Sport und Flirts ins Seniorenhaus

Video vom 13. Mai 2020
Mehrere Fußballspieler des FC Oberneuland stehen vor mehreren Senioren vor einem Altenheim.
Bild: FC Oberneuland

Kristian, 42 Jahre, aus Bremen
"Unser aktives Fußballspiel wurde durch die vielen Verbote und Erlasse gestoppt. So konnten wir vom FC Oberneuland nicht mehr dem Fußball nachlaufen, sondern mussten uns überlegen, was wir mit der Zeit Sinnvolles anfangen. Wir wollten uns schon länger sozial engagieren und dafür kam uns die Corona-Krise gelegen. Wir wollten etwas tun, das außerhalb vom Fußballplatz stattfindet.

Im Stadtteil Oberneuland gibt es einige Seniorenheime und da kamen wir auf die Idee, die einfach mal zu besuchen und in dieser schwierigen Phase dafür zu sorgen, dass die Bewohner ein bisschen Spaß haben und ein bisschen lachen können. Beim Seniorenhaus Rockwinkeler Park haben wir sofort eine positive Rückmeldung bekommen. Wir wollten dort vorbeikommen, Muffins mitbringen oder irgendwas Selbstgemachtes. All das war aber nicht erlaubt. Da mussten wir wirklich kreativ werden.

Wir wollten etwas machen, das erlaubt war und das den Bewohnern Abwechslung bietet. Wir haben dann unseren Fitnesstrainer gefragt, ob er Gymnastik mit den älteren Herrschaften machen kann. Dazu gehört Musik, also wollten wir auch etwas singen. Das haben wir dann der Heimleitung vorgeschlagen.

Als wir schließlich im Altersheim zu Besuch waren, hatten wir wahnsinnig viel Glück mit dem Wetter. Zwei von uns hatten zuhause ein bisschen geübt und wollten jeweils drei Lieder karaokemäßig vorsingen. Unser Fitnesstrainer hatte Übungen vorbereitet.

Die Bewohner wurden draußen vor dem Eingang 'positioniert'. Wir waren allerdings ein wenig überrascht, weil sie alle saßen. Es waren viele dabei, die nicht so gut lange stehen konnten. Da mussten wir spontan sein – das hatten wir nicht bedacht. Also hat unser Fitnesstrainer alles umgestellt und die Gymnastik für die älteren Damen angepasst. Zunächst waren viele etwas zurückhaltend – die kannten uns ja überhaupt nicht.

Im Seniorenhaus Rockwinkler Park leben auch Demenzkranke und für die war das alles total neu und vielleicht auch etwas befremdlich. Aber die Energie war total positiv. Von Minute zu Minute wurde es auch emotionaler und schöner. Wir haben gesehen, wie die älteren Damen gelacht und sich gefreut haben. Es waren unglaubliche Momente. Wir haben sogar ein paar Flirts gespürt. Die Bewohner waren einfach total herzlich und lieb und haben wahnsinnig gut mitgemacht.

Die Gymnastik dauerte etwa eine halbe Stunde. Danach wurde noch gesungen – alle haben mitgemacht. Es war eine unglaubliche Atmosphäre. Nach 75 Minuten waren wir fertig und alle haben sich bei uns bedankt. Wir waren selbst sehr dankbar. Wir dachten erst: 'Wir machen den Bewohnern eine Freude'. Es war aber letztendlich so, dass die Aktion auch uns sehr viel gegeben hat.

Nach unserm musikalischen Auftritt und dem Sport standen wir noch etwa eine halbe Stunde mit Abstand zusammen, weil wir so ergriffen und emotional waren. Und wir haben dann noch gesagt: 'Wenn sich die Demenzkranken daran erinnern – das wäre sensationell.' Die Heimleitung hat mich am folgenden Wochenende angerufen und meinte: „Die Bewohner haben auch Tage danach noch von uns gesprochen und erzählt, wie viel Spaß es denen gemacht hat.“ Das war ein rundherum gelungener Nachmittag.

Und jetzt wollen wir noch mehr gemeinsam mit dem Seniorenheim unternehmen. Vielleicht können unsere Jugendspieler nach der Corona-Zeit zusammen mit den Senioren kochen. Wir wollen auch nochmal zusammen Sport machen, da suchen wir gerade einen neuen Termin.

Es hat sich eine ganz tolle Kooperation entwickelt. Die Bewohner wollen auch zu unserem nächsten Spiel kommen und sind herzlich eingeladen. Für beide Seiten bringt das eine positive Energie."

(Sprachnachricht vom 24. Mai 2020)

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, Next am Morgen, 26. Mai 2020, 06:50 Uhr