Coronageschichten

Online-Spiele boomen, offline können wir nichts mehr verkaufen

Ein Mann sitzt am Schreibtisch und gestikuliert
Jan arbeitet als Videospiele-Entwickler. Er sieht für seine Branche gerade Vor- und Nachteile. Bild: Jan

Jan, 41 Jahre, aus Bremen
"Unsere Firma entwickelt seit 20 Jahren Videospiele in Bremen. Vor Kurzem hatten wir unser 20-jähriges Jubiläum – es sollte eigentlich eine große Feier geben, das ist natürlich alles ins Wasser gefallen durch die Coronakrise. Wie bei anderen Firmen auch, hat uns Corona erstmal negativ getroffen. Wir können nicht mehr gemeinsam an einem Ort Spiele entwickeln, sondern jeder arbeitet von zu Hause aus.

Einerseits war das für uns in der Computerbranche etwas weniger anstrengend – wir sind ja sehr technikaffin. Bei uns ist auch alles darauf ausgerichtet, dass wir auch von der Ferne arbeiten können. Nur haben wir das Problem, dass wir mit großen Datenmengen arbeiten. Es war eine technische Herausforderung, dass nicht nur theoretisch alle arbeiten können, sondern auch praktisch. Das hat sich aber relativ gut eingespielt. Jetzt sind wir auf rund 90 Prozent der normalen Effektivität.

Wir spüren in der Spielebranche aber auch positive Auswirkungen, gerade wird mehr gespielt. Die Menschen haben mehr Zeit, mehr Freizeit zu Hause und nutzen mehr Medien – dazu gehören auch wir.

Neue Spiele, die jetzt gerade veröffentlicht worden, die verkaufen sich vielleicht etwas besser als sonst. Und auch schon veröffentlichte Spiele, die online oder mobil gespielt werden können, die sehen ein etwas stärkeres Wachstum als normal. Bei unseren Spielen sehen wir, dass wir ein paar Prozent über dem Durchschnitt sind, was den Zuwachs an Spielern angeht. Aber vor allem steigt die Intensität und die Dauer, wie lange und wie häufig gespielt wird.
Wer sein Spiel gerade veröffentlicht hat, der hat vielleicht einen positiven Coronaeffekt. Die Leute, die gerade ein neues Spiel veröffentlichen wollen, also ein physisches Spiel mit einer Box, das man normal im Laden kaufen kann, die haben aber Probleme. Viele andere Unternehmen haben nur eine Notversorgung. Das heißt: Wir können die Boxen, die DVDs und das Handbuch nicht produzieren oder nur mit großen Verzögerungen und es gibt Lieferprobleme. Auch die Läden haben dicht. Wenn man damit gerechnet hat in 10.000 Läden auf der ganzen Welt sein Spiel zu veröffentlichen und jetzt nur noch fünf Prozent der Läden offen haben – das ist nicht gut für unser Geschäft.

Spiele werden gerade entweder digital veröffentlicht, also als Download ohne DVD, oder die Termine werden verschoben. Es gab eine ganze Reihe Veröffentlichungen, die wurden auf den Sommer verlegt, so dass wir hoffen, dass dann die Läden wieder öffnen können und die Leuten die Spiele dann auch wirklich physisch kaufen können."

(Sprachnachricht vom 5. Mai 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr