Coronageschichten

Isabell ist erschöpft und wünscht sich mehr Zeit für ihre Tochter

Isabell
Wenig Schlaf, wenig Freizeit, viel Organisation: Isabell hofft auf mehr Normalität. Bild: Isabell

Isabell, 31 Jahre alt, aus Bremen:
"Ich merke, dass ich manchmal kaum Energie für meine dreijährige Tochter habe, was ich total schade finde. Immerhin haben wir vier Stunden Notbetreuung täglich und manchmal auch ein bisschen mehr, was zumindest für ihre seelische Ausgeglichenheit sorgt. Vor der Coronazeit war sie sieben Stunden am Tag in der Kita und darauf war unser Alltag abgestimmt. Nun besteht unser Leben nur noch aus Planung, Job, Haushalt und Kind betreuen.

Der Druck ist noch größer geworden. Man ist irgendwann erschöpft und hat abends nicht die Regenerationszeit, die man braucht. Und fürs Wochenende staut sich so viel auf, dass wir auch dann keine Ruhe haben. Das belastet enorm. Dann macht man doch mal den Fernseher für das Kind eine Stunde länger an, damit man die wichtigsten Sachen erledigt bekommt. Wie so viele Eltern in der Stadt haben wir keinen Garten, in dem wir das Kind mal eben sich selbst überlassen können.

Mein Mann macht Überstunden wegen internem Stellenwechsel und weil episodisch immer wieder mal sehr viel zu tun ist. Er muss oft abends noch ran, um alles zu schaffen. Ich schaffe mein Soll, bin aber befristet beschäftigt und bewerbe mich nebenbei, was dann eben noch eine Baustelle mehr ist. Großeltern haben wir keine in Reichweite. Immerhin haben wir uns vor Kurzem mal treffen können - das erste Mal seit Weihnachten.

Von den Lockerungen profitieren wir also bis auf die Notbetreuung null Komma null - es ist einfach keine Zeit übrig. Man muss sich immer zwischen Schlaf und Freizeit entscheiden. Vor allem schwindet aber die Kraft und Konzentration. Ich muss aufpassen, mir aktiv mehr kleine Pausen zu gönnen, um alles weiterhin bewältigen zu können. Wir hoffen, dass wir in ein paar Monaten wieder zum Normalzustand zurückkehren können."

(E-Mail vom 22. Juni 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. Juni 2020, 19:30 Uhr