Coronageschichten

Anstatt in seinem Friseur-Salon arbeitet Harun jetzt für eine Apotheke

Ein junger Mann mit dunklen Haaren steht vor einem Friseursalon. Er trägt eine braune Schürze in der Schere und Kamm stecken.
Harun musste seinen Friseursalon von heute auf morgen schließen. Er macht sich große Sorgen, wie es weitergeht – und jobbt in der Zwischenzeit für eine Online-Apotheke. Bild: Harun

Harun, 37 Jahre, aus Delmenhorst
"Vor sechs Jahren habe ich meinen Friseur-Salon in Schwachhausen aufgemacht. In den letzten drei Jahren habe ich ihn zusammen mit meiner Frau betrieben. Als ich am 20. März von der Arbeit kam, hat mir ein befreundeter Friseur aus Delmenhorst erzählt, dass Friseure wegen der Corona-Krise schließen müssen. Ich war erschrocken, wie schlecht das kommuniziert wurde. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Vorlauf gewünscht. So wurden wir davon ziemlich überrascht. Schon einen Tag später war der Laden von heute auf morgen zu und ich mache mir große Sorgen, wie es weitergeht.

Erst vor ein paar Wochen haben wir uns ein Haus in Oyten gekauft. Zu diesen Kosten kommen die Miete für den Salon und unsere Wohnung. Ich habe sofort Anträge gestellt, um Hilfszahlungen vom Amt zu bekommen, weil wir keine großen Rücklagen haben. Man weiß ja auch nicht, wie lange diese Krise geht. Ich habe lange keine Nachricht bekommen und bisher auch keine Zahlung. Erst auf meine erneute Nachfrage nach zwei Wochen hieß es, der Antrag würde nun bearbeitet werden.

Meine Frau kümmert sich normalerweise hauptsächlich um unseren kleinen Sohn. Das, was ich verdiene, reicht gerade für uns aus und wir können nicht sehr viel zur Seite legen. Zum Glück haben mein privater Vermieter und auch der von unserem Salon mit Verständnis reagiert, so dass ich diesen Monat keine Miete zahlen muss.

Wenn ich mich arbeitslos melden würde, bekäme ich nur Harz IV. Und da man nicht absehen kann was noch alles passiert, habe ich das Problem angepackt und mir einen anderen Job für die Krisen-Zeit gesucht. Jetzt arbeite ich im Lager einer Online-Apotheke. Ich kenne glücklicherweise den Geschäftsführer und da es in der Branche gerade richtig boomt, bin ich sehr dankbar für diese Möglichkeit. Ich wünsche mir nur, dass den Menschen in Existenzangst wirklich geholfen wird. Im Augenblick ist alles langwierig und sehr bürokratisch."

(E-Mail vom 9. April 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr