Coronageschichten

Neu eröffnet vor Corona: Giacomina bringt ihr Café durch die Krise

Eine Frau vor ihrem Café in Bremen
Giacomina vor ihrem neu eröffneten und gleich wieder wegen Corona geschlossenem Café. Bild: Giacomina

Giacomina, 30 Jahre alt, aus Bremen:
"Erst Mitte Februar habe ich mein Café am Sielwall eröffnet. Vorher war es ein Kiosk. Ich habe ihn drei Wochen lang mit meinem Onkel umgebaut. Das Konzept: Einfach gehalten, mit einem Hauch von Dekadenz. Durch meine Ausbildung zur Diätassistentin und mein Studium der Diätetik wollte ich, dass es immer Speisen und Getränke für jeden und jede gibt – also: immer einen Kuchen, der glutenfrei ist, einen veganen, aber auch welche mit Milchprodukten. Genauso sollte es bei den herzhaften Speisen sein.

In den ersten Wochen wurde mein Café gut angenommen, es hat ja auch eine tolle Lage zum Deich. Die Leute waren total neugierig und aufgeschlossen, eine tolle Stimmung. Ich hatte sogar schon eine kleine Stammkundschaft. Als Corona immer mehr Thema wurde, hatte ich deshalb nicht so große Angst. Ich hätte mit meinem Außer-Haus-Verkauf weiter öffnen können. Aber man hat die Verunsicherung schon gespürt und die Planbarkeit mit den Lebensmitteln war nicht mehr gegeben. Deshalb habe ich mich dann doch entschieden, zu schließen. In der Zeit habe ich mir viele Gedanken dazu gemacht, wie ich weitermachen kann.

Klar war, dass ich mein To-Go-Konzept erweitern musste. Ich habe mich damit auseinandergesetzt, welche Verpackungsmaterialien ich verwende, welche Speisen ich nicht mehr anbieten kann, habe dann vermehrt auf Kuchen, Stullen und Suppe gesetzt. Zwei Wochen später konnte ich wieder öffnen. Die Leute waren total dankbar. Es gab und gibt eine große Solidarität mit den lokalen Läden und Cafés – die Kundinnen und Kunden geben Trinkgeld und spenden gern, das ist eine tolle Erfahrung. Aber auch der Bedarf nach Essen außerhalb ist groß. Das hat alles gut funktioniert aber jetzt freue ich mich unglaublich auf die Lockerung, denn es ist einfach eine andere Atmosphäre, wenn die Leute sich setzen können, da sind, der Ort genutzt wird – selbst, wenn erst einmal wenig Leute kommen dürfen. Und wenn nach und nach ein wenig Normalität einkehrt."

(E-Mail vom 28. März 2020)

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Mai 2020, 19:30 Uhr