Coronageschichten

Ein Unbekannter schenkt Frank im Zug eine Maske - und dann noch eine

Ein Mann mit Glatze und Irokesen-haarschnitt trägen einen sehr bunten Munsnasenschutz
Eine Pendler-Bekanntschaft hat Frank diese Maske geschenkt. Bild: Frank

Frank, 50 Jahre, aus Bremen
"Ich pendle wöchentlich mit dem Metronom zur Arbeit nach Buchholz in der Nordheide. Wenn man täglich mit dem gleichen Zug fährt, bleibt es nicht aus, dass man das eine oder andere Gesicht kennt, sich begrüßt oder wenigstens freundlich zunickt. So sah ich mehrfach auf dem Weg nach Hause in Buchholz am Bahnhof jemanden einsteigen, dem ich - als der Zug schon wieder pünktlich kam - zurief: 'Es macht einfach keinen Spaß mehr mit dem Metronom zu fahren, schon wieder pünktlich.'

Ein anderes Mal rief er mir zu: 'Schon wieder!'. Wir lachten jedes Mal, das war es. Ein paar Tage später stieg mein Metronom-Bekannter immer mit jemandem zusammen, nennen wir ihn 'Unbekannter Nummer Zwei', in Tostedt Richtung Bremen zu. Wenn wir uns sahen, sagten wir 'Hallo' oder winkten kurz.

Als die Maskenpflicht diskutiert wurde, lief ich nach der Ankunft in Bremen zufällig hinter den beiden her. 'Unbekannter Nummer Zwei' hatte bereits eine Maske auf. Ich begrüßte die beiden mit den Worten: 'Wie ich sehe, ist man hier schon ganz auf Linie und vorbereitet auf die Pflicht.' Als ich nach dem Wochenende erstmals wieder von Buchholz nach Hause fuhr, kam 'Unbekannter Nummer Zwei' im Zug zu mir und überreichte mir eine, von ihm selbst genähte, Maske und fragte mich, ob ich den Stoff mögen würde.

Da er mit dem bunten Figurenmuster voll ins Schwarze getroffen hatte, bejahte ich. Daraufhin bekam ich zwei Tage später noch eine Maske von ihm. Ich war völlig gerührt und sagte ihm, dass ich keine Worte habe für so viel Gutes - von einem Menschen dessen Namen ich noch nichtmal kenne. 'Unbekannter Nummer Zwei' heißt Stefan und ist der Bruder meines 'Metronom-Bekannten Nummer Eins', dessen Name Frank-Peter ist.

Ich kann nur sagen: Danke, das ist so lieb und großartig. Mittlerweile ist klar, dass Stefan für seinen Bruder eine ganze Reihe von Masken genäht hat - immer passend zum Outfit. Frank-Peter sei nämlich so eitel."

(E-Mail vom 4. Mai 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr